Wecker diskutiert heute ab 18.30 Uhr im Radiokulturhaus. - © www.thomaskarsten.com / Thomas Karsten
Wecker diskutiert heute ab 18.30 Uhr im Radiokulturhaus. - © www.thomaskarsten.com / Thomas Karsten

"Wiener Zeitung":Als jüngst eines der letzten Lokale Ihrer Münchner Jugend abgerissen werden sollte, waren auch Sie bei einer Protestaktion: als "Dino der Empörung", wie Sie sich in einem Interview nannten. Kämpft ein engagierter Künstler wie Sie zuweilen mit Resignation?

Konstantin Wecker:Mir war klar, dass das Lokal abgerissen wird - da kann ich singen, was ich will. Mein Kollege Erwin Pelzig sagte: "Wenn das abgerissen wird, werden teure Häuser hingebaut, da siedelt sich Wohlstandsgesindel an." Man merkt, dass Geld immer mehr zum wichtigsten Faktor wird - in einem Moment, in dem alles zusammenzubrechen droht. Wie ein letztes Aufflackern eines
Super-Materialismus, der eigentlich schon am Ende ist.

Also weniger Resignation als ein Hoffen auf den Zusammenbruch des Moloch Kapitalismus?

Weiß ich nicht. Wenn er echt zusammenbräche, fürchte ich, würden rechte Populisten Zulauf bekommen. Meine Hoffnung wäre eine andere, nämlich dass sich ein Bewusstseinswandel vollzieht. Das meine ich mit dem Titel meines neuen Buchs "Es geht ums Tun und nicht ums Siegen". Zwar weiß ich, dass meine Utopien, die ich als junger Mann hatte, zu meinen Lebzeiten garantiert nicht eintreten. Das heißt aber nicht, dass ich deswegen nicht mehr versuchen will, mich für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen. Ich bin ein Mosaikstein; solche gab es über Jahrtausende, viele waren Künstler. Oft werde ich gefragt: "Glauben Sie, dass Sie mit Ihren Liedern die Welt verändern können?" Quatsch. Vielleicht sollte man anders fragen. Wenn es diese Mosaiksteine nicht gegeben hätte: Wie wäre dann der Zustand der Welt?

Sie würden dieser Welt also eine sozialere Marktwirtschaft wünschen?

Kann man sagen. Ganz bestimmt keine Ideologie. Ich habe mich nie von einer einfangen lassen. Ich bin für Netzwerke. Es gibt schon lange Sozialforen, in denen sich alternative Wirtschaftssysteme ausbilden, in denen junge Menschen zusammenkommen, eine neue Welt erdenken. Es könnte sein, dass sich diese Netzwerke immer mehr verbinden - zu einem vernetzten Bewusstsein, das einen Bewusstseinswandel einleitet.

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