Landet beim heurigen Blue Bird: die Südafrikanerin Cherylin MacNeil alias Dear Reader. - © MARCUS MASCHWITZ PHOTOGRAPHY
Landet beim heurigen Blue Bird: die Südafrikanerin Cherylin MacNeil alias Dear Reader. - © MARCUS MASCHWITZ PHOTOGRAPHY

Über allem schwebt der Geist von Nick Drake. Zum 30. Todestag des großen Pop-Tragöden am 25. November 2004 veranstalteten die Radiojournalistin Jenny Blochberger und ORF-Musikredakteur Klaus Totzler mit ein paar befreundeten Musikern im Wiener Porgy & Bess einen Tribute-Abend, in dessen Rahmen 17 heimische Acts mit Cover-Versionen und Songs im Stile von Drake auftraten.

Es war ein voller Erfolg. Und gewissermaßen die Initialzündung für die "Vienna Songwriting Association" (VSA), die sich im Jahr darauf als Verein gründete, um weitere Möglichkeiten für Auftritte und Konzerte in der Stadt zu erkunden. Ab März 2005 wurde in Kooperation mit dem Lokal "Vorstadt" in Wien-Ottakring einmal monatlich ein Abend unter dem Motto "VSA presents" veranstaltet, bei welchen hauptsächlich österreichische Künstler präsentiert wurden. Aber nicht nur: Schon bald gelang es dem umtriebigen Klaus Totzler, auch den einen oder anderen internationalen Singer/Songwriter nach Wien zu lotsen. So etwa den "Bob Dylan des Punk", wie Totzler ihn bezeichnet, nämlich Nikki Sudden, der hier einen seiner letzten Auftritte absolvierte (er starb 2006).

Große Bandbreite


Die traditionell engen Grenzen des Singer/Songwriter-Genres wurden von der VSA von Beginn an erweitert. "Für uns steht der Song als Kunstform, als musikalisches Erzählformat im Mittelpunkt, und je unkonventioneller und unorthodoxer er dargeboten wird, umso besser", sagt Totzler. Im Pressetext zum heurigen Blue Bird-Festival wurde für dieses Credo ein schönes Bild gefunden: vom Songwriting als Pandorabüchse, aus der - bei Öffnung - "Elektrofolk, Rock Noir, Alternative Bluesrock, Arthouse-Pop und andere Spielarten" herausfliegen.

An dieser Bandbreite und Buntheit haben Blochberger, Totzler und diverse Mitstreiter (derzeit rund sieben Personen, großteils Frauen), allesamt ehrenamtlich und an der Grenze zur Selbstausbeutung tätig, bis heute festgehalten. Den "alltäglichen Betrieb" haben sie von der "Present"-Schiene zu anderen Formaten hin verlagert und weiter entwickelt, die mittlerweile auch in anderen locations stattfinden. So etwa im Club "Fledermaus" (1. Bezirk), wo vier bis fünfmal im Jahr der Wettbewerb "Michaela singt" (benannt nach Element Of Crimes "Michaela sagt") steigt, bei welchem Nachwuchskünstler auftreten und von einer Fachjury bewertet und beraten werden. Bei der DJ-Line unter dem Titel "The Song Remains the Same" legen das VSA-Team und Freunde monatlich wo auf, neuerdings im Club "Das Jetzt" (17. Bezirk), verbunden mit kleineren Live-Acts weitgehend noch unbekannter Musiker.