Als gebürtige Schweizerin sangen Sie Ihre größten Hits auch im Wiener Dialekt.

Meine Muttersprache ist Schweizerdeutsch, das konnte ich in Wien natürlich nicht singen. Hochdeutsch ist für mich genauso eine Fremdsprache wie das Wienerische. Bei den ersten Aufnahmen musste ich die Aussprache noch regelrecht üben. Zum Singen eignet sich das Wienerische übrigens wunderbar: Es entfaltet ungeheuer viel Blues.

Wie kam es neben Ihrem Hauptberuf als Schauspielerin zur Zweitkarriere als Sängerin?

Mitte der Siebziger Jahre hatte ich ein Engagement am Schauspielhaus unter Hans Gratzer. Er kannte meine Leidenschaft fürs Singen, die bisweilen kaum zu bremsen war. Wann immer ich ein Klavier sah, spielte und sang ich. Es war auch Gratzer, der für mich die Rolle der Piaf im gleichnamigen Stück von Pam Gems besetzte.

Die Aufführung war 1982 das Ereignis der Wiener Theatersaison. Sie wurden als "Spatz von Wien" gefeiert.

Das war für mich ein wegweisendes Erlebnis. Der Erfolg hat mich überrascht, überrumpelt - und unglaublich in meinem Berufswunsch gestärkt. Im Zuge der Aufführungsserie erhielt ich das Angebot einer Plattenfirma, meine erste LP mit "I mecht landen" aufzunehmen.

Die Piaf wurde für Sie zu einer Art Lebensrolle. Bis heute singen Sie die Chansons der Französin.

Die Auseinandersetzung mit Edith Piafs Leben und Liedern war für mein Leben wesentlich. Piaf hat mich stärker gemacht. Die Piaf hat mich auch gelehrt, was Wahrhaftigkeit und Unmittelbarkeit für eine Künstlerin bedeuten kann. Ihr Beharrungsvermögen imponiert mir ebenfalls: Dass sie bei sich geblieben ist, auch wenn andere das nicht goutierten.

Haben Sie je eine professionelle Ausbildung als Sängerin absolviert?

Nicht wirklich. Klavierspielen lernte ich mit sechs Jahren. Gesangsunterricht habe ich dagegen nie genommen. Da schöpfe ich wohl aus mir.

In welchen Musikrichtungen fühlen Sie sich noch beheimatet?

Neben Piaf ist mir vor allem Jacques Brel gefühlsmäßig nahe. Amy Winehouse und Joe Cocker höre ich ebenfalls gern. So singen könnte ich allerdings nicht.

Als Schauspielerin waren Sie an großen Bühnen wie bei freien Projekten beteiligt. Was liegt Ihnen näher?

Das Wunderbare ist der Wechsel zwischen beiden Spielformen: Am Burgtheater kam ich mir wie eine Königin vor, und bei den freien Produktionen ist man mehr Bohème. Ich möchte kein Engagement missen.

Wie lauten Ihre Pläne für die nächsten Jahre?

Weiterhin als Schauspielerin zu arbeiten, weiterhin singen. Für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt, und ich würde mich nicht verschließen, wenn etwas anderes dazu käme. Einen Generalplan habe ich aber nicht.