Alter Schlawiner: Robbie Williams lechzt mit seinem neuen Album nach alten Erfolgen. - © Julian Broad
Alter Schlawiner: Robbie Williams lechzt mit seinem neuen Album nach alten Erfolgen. - © Julian Broad

Das Cover zeigt Robbie Williams in Gestalt einer Büste aus Gold. Und auch der Albumtitel nimmt schon vorweg, was mit seinem dieser Tage erscheinenden und insgesamt neunten Album auf der Agenda steht: "Take The Crown", so erklärt es auch die Plattenfirma, muss wieder einmal mindestens an die Spitze der Charts vordringen wollen.

Nicht nur wäre Robbie Williams zur Abwechslung willens, seine einstige Rolle als Popsuperstar und lustigster Stadionkasperl nach Mario Barth zurückzuerobern - was in etwa bedeutet, dass der Mann statt der Models von früher heute nur mehr Frau und Kind im Schlafzimmer liegen hat und das Geschrei nicht vom Liebemachen, sondern von dessen Folgen kommt. Buhu! Ein Umstand also, der mit den Waffen eines Entertainers in Form der guten alten Welttournee schon ab wann-bitte-ist-es-endlich-so-weit? bekämpft werden will. Und es wäre natürlich auch wegen der Wirtschaft. Als eine der letzten Mainstream-Cashcows der Musikindustrie von bis 2006 täte ein geglücktes Comeback auch zum Wohle der globalen ökonomischen Verhältnisse mehr als bloß not, vor allem jetzt, wo Bono mit U2 noch im Urlaub ist.

Offene Rechnungen


Anders betrachtet ist natürlich auch noch eine Rechnung zu begleichen. Immerhin hat Robbie Williams etwa über den Verkauf von 1,6 Millionen Konzertkarten an einem einzigen Tag nicht nur Positivrekorde nach Dagobert Duck und Frank Stronach gebrochen. Auch war sein mit dem Musikmajor EMI geschlossener Plattenvertrag über sage und schreibe 127 Millionen Euro im Jahr 2002 dafür verantwortlich, dass knapp 2000 Konzernangestellte gekündigt und die Sparvorgaben nach Verkauf an den Finanzinvestor Guy Hands fünf Jahre später noch weiter verschärft wurden. Dieser war auch Robbie Williams so unsympathisch, dass er sich weigerte, dem Unternehmen mit einer weiteren Tour in die Tasche zu wirtschaften, und nach Vertragserfüllung durch Arbeitsverweigerung in Form eines Best-of-Albums zu Universal Music wechselte, wo "Take The Crown" nun erscheint und bezüglich der Vertragsdetails diskret geschwiegen wird.

Ramponierter Girlie-Held


Zur Erwartungshaltung seines neuen Arbeitgebers kommt aber auch jene der Fans, die es nach einer längeren Durststrecke nun zu erfüllen gilt. Immerhin stimmte Robbie Williams im Vorjahr der bis dahin ausgeschlossenen Take-That-Reunion unter seiner Beteiligung nicht von ungefähr zu. Das finanziell mehr als erfolgreiche Unterfangen kam nach dem Verkaufseinbruch durch seine Alben "Rudebox" im Jahr 2006 oder das von Trevor Horn üppig arrangierte, aber trotzdem Dienst nach Vorschrift schiebende "Reality Killed The Video Star" gerade, als Williams die Unkaputtbarkeit seiner Karriere doch etwas ramponierte. Als einstiger Girlie-Held, moderater Bad Boy, ironiefähiger Mainstreamstar und Schnulzensänger aus Radio Lalelu hatte der Mann schließlich alle Joker in der Hand, als er in Form eines eleganten Swingers mit "Swing When You’re Winning" sinatrisch wurde und damit zu allem Überfluss auch noch die Mütter seiner Zielgruppe um den Finger wickelte. Die Mittelwahl für den auf Hit angelegten und dabei zumindest hübsch melodieselig ausgefallenen Neustart darf aktuell aber durchaus überraschen.