"Landskrona wiederholt sich nicht", versicherte der österreichische Fußballnationaltrainer Karel Brückner betont selbstbewusst, als die Mannschaft sich im Oktober 2008 aufmachte, ein Trauma zu bewältigen.

Americana meets Nordic-Folk: Guðrið Hansdóttir. - © wikipedia
Americana meets Nordic-Folk: Guðrið Hansdóttir. - © wikipedia

Eigentlich ging es nur auf die Färöer Inseln zu einem WM-Qualifikationsspiel, in Wirklichkeit aber ging es um Wiedergutmachung. 18 Jahre zuvor nämlich, am 12. September 1990, hatte Österreichs Auswahl in der EM-Qualifikation im schwedischen Landskrona mit 0:1 gegen den absoluten Fußballzwerg Färöer verloren. Der damalige Coach Josef Hickersberger erklärte anschließend nicht nur seinen Rücktritt, sondern trug fortan den wenig schmeichelhaften Beinamen "Färöer-Pepi".

Die "färöische Björk"


2008 kam man in der Hauptstadt Tórshavn immerhin mit einem blauen Auge davon, doch zu mehr als einem 1:1 reichte es auch diesmal nicht. Immerhin hat die Inselgruppe im Nordatlantik seither einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis Österreichs inne, und vielleicht tröstet es so manchen, dass aus der "gleichberechtigten Nation" im Königreich Dänemark nicht nur seltsame Amateurkicker mit Zipfelmützen kommen, sondern auch gute Musiker.

Außerhalb Skandinaviens waren bisher allenfalls drei Namen zumindest Insidern ein Begriff: Clickhaze hatten um die Jahrtausendwende mit ihrem avancierten Trip-Hop für einiges Aufsehen gesorgt, Týr pflegen einen recht melodischen, aber mit seinem Nordmännergehabe auch etwas seltsam anmutenden Viking Metal, und die Sängerin Eivør Pálsdóttir wird gerne als "färöische Björk" bezeichnet, auch wenn sie deutlich weniger schrill daherkommt und eine breitere Palette an Stilformen pflegt, die vom Jazz über Trip-Hop bis zu Kirchenmusik reicht.

Doch seit kurzem ist hierzulande noch eine weitere Entdeckung zu bestaunen: die 1980 geborene Sängerin, Gitarristin und Songwriterin Guðrið Hansdóttir (die beiden ð im Vornamen werden nicht gesprochen). In ihrem Heimatland wurde sie schon 2007 anlässlich ihres Debütalbums "Love Is Dead" als Sängerin des Jahres ausgezeichnet, ihr Zweitling "The Sky Is Opening" von 2010 wurde zum "Album of the Year" gekürt und avancierte zum meistverkauften Album des Jahres, doch erst das Drittwerk "Beyond the Grey" erschien Ende 2011 auch außerhalb der Färöer Inseln und sorgte dafür, dass ihr Label jetzt die beiden Vorgänger neu aufgelegt und auch mitteleuropäischen Ohren zugänglich gemacht hat.