Mit neuem Album auf Tour: Clara Luzia dreht auf "We Are Fish" den Verstärker auf - zumindest ein wenig. - © Sarah Haas
Mit neuem Album auf Tour: Clara Luzia dreht auf "We Are Fish" den Verstärker auf - zumindest ein wenig. - © Sarah Haas

Wien. Für die emotionale Dringlichkeit ihrer Songs ist es doch ein wenig erstaunlich, dass Clara Luzia den Ausbruch, den Aufbruch und solchermaßen das reinigende Donnerwetter in der Musik weitgehend nicht zulässt. Spiel dich frei, lass es raus - diese und ähnliche Ansätze mehr, inhaltlich kultivierten Themengebieten wie Kummer und Leid exorzistisch den Garaus zu machen, werden zugunsten einer stilleren Spielart vermieden.

Zumindest auf den vier zwischen 2006 und 2011 veröffentlichten Studioalben, die das grundsätzlich folkbeeinflusste Songwriting Luzias zunehmend in herbstlich-nebelschwadrige Kammerballaden und hübsch arrangierten Midtempo-Pop überführten, stellte sich diesbezüglich bald ein Gefühl von Vertrautheit ein. Das Hinausbrüllen in die Welt war und ist die Sache der Songwriterin nicht. Stattdessen wird mit gerne auch erzählerisch gebrauchter Singstimme von den Widrigkeiten des Lebens gekündet, die uns den Alltag - was soll man machen? - nun einmal erschweren.

Pumpende Bässe


Daran ändert sich zwar auch auf "We Are Fish" relativ wenig. Nach einem kurzen Flirt mit der Effektgerätschaft als solcher wird das dieser Tage auch in Deutschland erscheinende neue Album zwischendurch aber von vergleichsweise drastischen Schrammelgitarren und Feedbacksounds unterbrochen, die Luzias Vorliebe für "clean" gespielte Sechssaiter abflauen lassen: Das Titelstück des Albums und sein Pop-Ansatz, das bei ungewohnt hohem Lautstärkepegel gegebene "Leave The Light On" und Songs wie "No One’s Watching" oder "The Menace Is My Head" belegen den adaptierten Sound, der aber keine Revolution lostritt.

Geblieben sind die bei Luzia nie aufgesetzte Gefühligkeit und die dieser zuarbeitenden Streicher- und Bläserarrangements, die heute über die Dauer von 36 Spielminuten hinweg zum Einsatz kommen. Mit gerne auch pumpenden und, wie bei "Monster in You" als musikalisch euphorischstem Song des Albums, in bester Disco-Manier rotierenden Bässen hingegen sorgt pauT als neu ins Line-up genommenes Bandmitglied für frische Akzente.

Dass die dabei erspielte Lebensfreude von den Texten nicht zwingend übernommen wird, bleibt dem melancholischen Grundduktus Luzias geschuldet. Zweifelsohne geht es auch in den neun neuen Songs um das Verlorensein in der Welt ("Wouldn’t it be good to have a guidance after all?"), dessen Entsprechung im alltäglichen Ärger mit einem zünftigen "Aargh!" auch einmal beschimpft werden darf: "It’s been a long and lousy, a freaking bloody, fucking useless day!!"

Das vom Sternenstaub verdunkelte Celebrity-Drama von "No One’s Watching" wiederum hat mit Clara Luzia selbst gar nichts zu tun, deren aktuelle Tournee sie im Mai noch bis nach Berlin, Dresden und Leipzig führen wird.