"I Am A God!" US-Musiker Kanye West spart auch auf seinem neuen Album nicht mit Ansagen. - © Fabien/Universal Music
"I Am A God!" US-Musiker Kanye West spart auch auf seinem neuen Album nicht mit Ansagen. - © Fabien/Universal Music

Größe ist relativ und eine Frage der Perspektive. Wenn man sich darauf erst einmal geeinigt hat, ist von einem Aufenthalt in den USA allerdings abzuraten - bereits bei den Cola-Kanistern im containerschiffshohen Walmart-Regal könnte die These ins Wanken geraten, die von einer möglichen Erstbegegnung mit dem Namen Kanye West endgültig widerlegt wäre.

Mit 21 Grammys in der Tasche gilt der 36-jährige US-Rapper, Songwriter und Produzent nicht etwa nur als mit die gewichtigste Stimme seines Genres. Nach Anfängen mit Schreibarbeit für Namen wie Alicia Keys oder Jay-Z, der als einstiger Mentor schon vor dem gemeinsamen Album "Watch The Throne" im Jahre 2011 als Partner auf Augenhöhe galt, spielt der Mann bereits längst in seiner eigenen Liga. Wests auch als Übermotivation lesbarer Ehrgeiz mag davon befeuert worden sein, dass man ihm eine Solokarriere zunächst nicht so recht zutrauen wollte - die diesbezügliche Fehleinschätzung wurde von 12 Millionen verkauften Tonträgern und rund 30 Millionen legalen Downloads alleine in den USA aber mit Nachdruck als solche bloßgestellt.

Barack Obama
nennt ihn "Jackass"


Wests zwar auch dem Battle-Gedanken des Hip-Hop, zuvorderst aber seiner tatsächlich Ich-zentrierten Persönlichkeit geschuldete Selbstüberhöhung hingegen lässt seine Arbeiten aber doch etwas substanzloser erscheinen, als man erwarten würde - so klug auf Alben wie "Graduation" (2007), dem düsteren "808s &
Heartbreak" (2008) oder seinem überbordenden Meisterwerk "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" zwischen modernen Elementen und dem zeitlos-beseelten Erbe der Black Music mitunter auch gearbeitet wurde. Solchermaßen liegen Wests größte Verdienste im Wieder-Import von Stilbewusstsein ins Hip-Hop-Land und vor allem im Bruch mit den größten Genre-Dummheiten wie etwa der Homophobie. Die Lust des Egos an der Konfrontation wiederum untermauerte Wests scheinbare Wichtigkeit über die Beschäftigung gleich zweier US-Präsidenten mit seiner Person: Während George Bush sich gegen den Vorwurf des Rappers wehren musste, sich nicht um die schwarzen Bürger zu kümmern, bezeichnete Barack Obama ihn als "Jackass", weil er die MTV Video Music Awards 2009 für eine, nun ja, kritische Intervention unterbrach.

Das nun unter dem Titel "Yeezus" vorliegende neue Album von Kanye West jedenfalls ist ein Kapitel für sich. Dafür sorgen neben der Quasi-Verweigerung in Sachen PR, die selbst als PR zu verstehen ist, auch die Details zu den Produktionsbedingungen. Immerhin ließ West das bei enormem Mittelaufwand überwiegend in einem Hotelzimmer in Paris eingespielte Material in den Wochen und Tagen vor seinem letztmöglichen Fertigstellungstermin von Rick Rubin als Feuerwehr am Mischpult noch einmal drastisch überarbeiten und reduzieren.