Diese beiden Konzerte am Nachmittag – so ganz nebenbei bei freiem Eintritt – zählten zu den unvergesslichen Momenten des Festivals, welches heuer vor allem das Ephemere als wesentlichen Teil der Programmatik erkennen ließ. Auch wenn das Festival keine Genre-Grenzen zieht, verbindet die freie Improvisation wie ein roter Faden die einzelnen Programmpunkte – und damit verbunden ist auch die Einzigartigkeit der Aufführungen: Wiederholungen sind ausgeschlossen, es dominieren singuläre Momente, vergängliche Musiken – auch vor dem Hintergrund der Kombination von Musikern, die Lee nach Wels geladen hatte.

Viele von ihnen spielten in Wels das erste Mal zusammen, wie das junge Trio Corsano/Motland/Yeh, das mit seinem Genremix aus Jazz (vor allem durch Schlagzeuger Chris Corsano), Rock (durch die Stimme von Stine Janvin Motland) sowie Klassik (durch das zum Teil mit zwei Bögen vollzogene  Violinspiel von C Spencer Yeh) und dem intensiven wie radikalen Spiel- und Singweise eine Performance an den Tag legte, die selbst viele der Free-Jazz-Fans, die das Festival schon seit vielen Jahren besuchen und um ein geschätztes Vierteljahrhundert älter sind als die drei auf der Bühne, in Staunen versetzte und zu überraschen vermochte.

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Wie das Trio zeigten aber auch viele der anderen geladenen Künstler und Künstlerinnen zum Teil außergewöhnliche Techniken der Soundproduktion. Da wäre zum Beispiel das Quartett mit Schlagzeuger Roger Turner, der sein Schlägelrepertoire um diverse Zusätze wie Spachtel, Kette und Kontrabassbogen, Holzbrett und Stöcke erweiterte, mit Achim Kaufmann am Flügel, dessen Seiten unter anderem mit Papier bespielt werden, oder durch Klopfen und Zupfen ebendieser unter anderem hackbrettähnliche Töne erzeugten.

Der Trompeter Axel Dörner und der Saxophonist Urs Leimgruber entlocken ihren Blasinstrumenten wiederum Töne jenseits der Notation, zurückgebracht auf die Natur der Instrumente. Und wie verzerrter Sauerstoff  aus den Röhren klingt, das bekam man in vielen Variationen zu hören. Leise sanfte Töne gehörten ebenso zum Festival-Auftakt mit diesem Quartett wie dissonante Klangkaskaden.

Ach ja, Kim Gordon, ehemals Sängerin der US-Noise-Band Sonic Youth, war am Eröffnungsabend ebenfalls zu Gast, gemeinsam mit dem Gitarristen Bill Nace präsentierte sie das aktuelle Album von Body/Head, am Schlagzeug begleitete Ikue Mori die auf Stil bedachte Gitarren-Noise-Aufführung.

Lees Herkunft verdankt das Publikum auch das Abschlusskonzert am Sonntag. So ist auf ihre Initiative der Besuch des koreanischen Deoneum-Ensembles zurückzuführen, das ihre besonderen perkussive Spieltechnik - nach Wels brachte und an dem Abend gleich zweimal mit dem Saxophonisten Evan Parker improvisierte. Viele Festival-Besucher und Besucherinnen hielt nun nichts mehr in den Sesseln.

Ein unvergesslicher Abschluss für die 27. Ausgabe dieses gut besuchten und organisierten sowie für den Besucher/die Besucherin stressfreien Festivals, das all denjenigen empfohlen sei, die an Musik jenseits bekannter Hör- und Klanggewohnheiten interessiert sind. Was das Festival außerdem besonders sympathisch macht ist, dass es eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik auf unprätentiöse Art und Weise ermöglicht.

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Wissen: Hinter der Organisation des Festivals "music unlimited" steckt der Welser Kulturverein "waschaecht", Musiker wie Otomo Yoshihide oder Peter Brötzmann kuratierten in der Vergangenheit das Festival, heuer war die südkoreanische Cellistin und Komponistin Okkyung Lee an der Reihe.

Link: musicunlimited.at