(irr) Woran kann ein wagemutiger Pianist noch schrauben, wenn er seinem Arbeitsgerät neue Klänge entlocken will? Nun - er könnte das Klavier mal Klavier sein lassen und sich dem Hocker zuwenden. Im Sinne eines John Cage präpariert und zum Zweitinstrument geadelt, würde es dem Klavier eine, nun, sagen wir einmal, abstrakte Textur hinzuzufügen vermögen.

Bugge Wesseltoft schien am Montag auf einer solchen Novität zu hocken: Ein garstiges Knarzen rebellierte von unten gegen die süffigen Steinway-Harmonien. War das Wesseltoft recht? Der Werkkatalog des Norwegers, dessen "New Conception of Jazz" elektronische Türen aufgestoßen hatte, legte das immerhin nah. Da war man schon etwas enttäuscht, als das Utensil nach einer Nummer verschwand und Wesseltoft erklärte, der "Stool" sei nicht Teil des Programms.

Lyrisch bis kauzig


Im Zentrum stand aber der heimische Jazzstar Wolfgang Muthspiel. Vom Konzerthaus mit einem Mini-Zyklus bedacht, wünschte sich der Gitarrist für einen Abend der Dialoge nicht nur Wesseltoft, sondern auch Dhafer Youssef in den Mozartsaal. Der Tunesier mit der Kurzhalslaute und den weiten Vokalisen erwies sich anfangs als gut eingespielter Duopartner: Das zweisame Saitenspiel verwob sich zu luftigen Geflechten, ließ weltmusikalische Bezüge aufblitzen, um doch sein eigenes, lyrisches Esperanto zu verfolgen. Ging der Duopartner Wesseltoft danach pianistisch in die Vollen, erwies sich das dreisame Finale als Höhepunkt. "Take Five", brav wie für ein Kaffeekränzchen begonnen, wurde mit kauzigen Synkopen bestückt; und durch den "Norwegian Wood" der Beatles fuhr ein flotter Wind. Und dann ließ es Wesseltoft auch noch - elektronisch - knarzen.

Konzert

Wolfgang Muthspiel

Wiener Konzerthaus