Ist das noch Hip Hop? Die in Köln lebende Musikerin Akua Naru hat jedenfalls Soul. - © David Doenges
Ist das noch Hip Hop? Die in Köln lebende Musikerin Akua Naru hat jedenfalls Soul. - © David Doenges

Wien. Let’s talk about sex, baby / Let’s talk about you and me / Let’s talk about all the good things and the bad things that may be: Das soll ein emanzipatorischer Schlachtruf sein? Ja, denn die Rap-Pionierinnen Salt’n’Pepa taten mit ihrer Hitsingle Anfang der 1990er Jahre etwas, das heute für rappende Frauen, so sie erfolgreich sein wollen, ein No-Go ist: Sie führten Geschlechterstereotype ad absurdum, anstatt diese einzuzementieren.

Gibt man heute "Nicki Minaj", den Namen einer der erfolgreichsten Rapperinnen, in Google ein, spuckt die Suchmaschine Folgendes aus: "Nicki gelingt es, angezogen und gleichzeitig halbnackt zu sein. Für ein Shooting schlüpfte sie in ein hautenges schwarzes Kleid (...) ihr gekonnter Griff zu den Brüsten wollte wohl weniger verdecken als vielmehr betonen, ganz nach dem Motto: ‚Seht her, was ich habe!‘"

Inhalte statt Brüste
Zwar war Rap mit Anspruch an den Intellekt - in der Szene spricht man vom Conscious Rap - stets nur eine Nische, auch MC Lyte ("Cold Rock A Party") und Salt’n’Pepa ("Push It", "Let’s Talk About Sex"), die "Battle Queen" Roxanne Shanté oder später Missy Elliot waren nicht um Partyansagen und schlüpfrige Lyrics verlegen. Sie erreichten das Publikum mit ihrer Musik, ohne ihren Sexappeal zu negieren - aber ob sie in übergroßen Kapuzenpullis oder in Hot Pants auftraten, spielte keine wesentliche Rolle. Sozialkritische Texte waren eher die Regel als die Ausnahme, bei Queen Latifah, die 1994 in "Unity" häusliche Gewalt anprangerte, klingt das so: I don’t want my kids to see me getting beat down / By daddy smacking mommy all around / You say I’m nothing without ya, but I’m nothing with ya / A man don’t really love you if he hits ya (sic!).

Als Lauryn Hill 1998 ihr Album "Miseducation of Lauryn Hill" herausbrachte, wurde auch einer breiteren Öffentlichkeit klar, dass Hip Hop inhaltlich sowie musikalisch mehr zu bieten hat als dumpfe Beats und plumpe Texte über Gewalt und Drogen.

Inzwischen hat sich das ehemalige Mitglied der Fugees aus dem Musikbusiness weitgehend zurückgezogen, und ab der Jahrtausendwende waren die Hip-Hop-Diven der Anfänge von der Bildfläche verschwunden. 2005 war die Zahl der Frauen im Hip Hop so gering, dass die Kategorie "Best female MC" bei den Grammys gestrichen werden musste, wird in der Dokumentation "My Mike Sounds Nice" des US-Fernsehsenders BET festgehalten - es gab schlichtweg zu wenige Frauen, die für den Musikpreis infrage kamen. Doch weibliche MCs gibt es heute wie damals, früher wurden jedoch eben auch jene wahrgenommen, die sich nicht dem Dogma "Sex sells" unterwarfen.