Mats Gustafsson von The Thing, ... - © J. Kerviel
Mats Gustafsson von The Thing, ... - © J. Kerviel

Manchmal liegt das Gute so nahe! An diesem Wochenende fand man es im Schlachthof im oberösterreichischen Wels, wo zum 28. Mal das Musikfestival "unlimited" stattfand. Rund 80 Musiker sorgten dort für 17 Konzerte aus verschiedensten Richtungen – mal leise und zart, mal elektronisch und experimentell dann wieder jazzig und rockend und frei improvisiert.

Und ein außergewöhnliches Spektakel gab es am Freitag: Der niederländische Künstler Peter Zegveld sorgte mit seinen am Futurismus angelehnten Kompositionen und seinen selbst gebauten Instrumenten für einen olfaktorischen Auftakt: Mülltonnen explodierten, gefrorene Erbsen wurden lautstark aufgetaut, während sich im Saal Gerüche von Maschinenöl und verbrannten Sicherungen ausbreiteten. Begleitet wurde Zegveld von Terrie Hessels, der seiner Gitarre mit Löffel, Drumstick oder Fußboden die verschiedensten Töne entlockte.

Die von Anfang an spannungsgeladene Energie zog sich durch die drei Festival-Tage und entlud sich am Sonntagabend beim Konzert der niederländischen Band The Ex & Brass Unbound: joie de vivre pur. Und dazwischen? Jede Menge Musik vom Feinsten.

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Hochenergetisch

Denn das "unlimited" ist ein Festival, das nicht nur völlig unprätentiös zeitgenössische Musik jenseits des Mainstreams zeigt, sondern streng genommen auch eine Veranstaltung, die ohne die für Festivals typischen Highlights auskommt: Denn jede Darbietung war für sich allein gesehen schon ein Höhepunkt. So zum Beispiel der Auftritt von The Thing, der am ausverkauften Samstagabend bei einigen Festival-Gästen insofern für Überraschung sorgte, als dass deren Darbietung nichts mit dem martialisch und machohaft-anmutenden Cover ihres aktuellen Tonträgers BOOT! zu tun hatte. Mit dem bekannten Saxofonisten Ken Vandermark als Gast führten Schlagzeuger Paal Nilssen-Love, Ingebrigt Haker Flaten am Kontrabass und Saxofonist Mats Gustafsson ihren grenzüberschreitenden Zugang zur Musik vor: Jazz, Improvisation und Rock mischten sie hochenergetisch aber nicht brachial, dafür mit enormem Feingefühl auf.

Der Stimmenakrobat Jaap Blonk. - © J. Kerviel
Der Stimmenakrobat Jaap Blonk. - © J. Kerviel

Gustafsson improvisierte dann noch eine Band später mit dem österreichischen Akustik-Techno-Duo Elektro Guzzi – bis ihm die Zunge raushing. Ruhiger aber nicht minder intensiv waren tags darauf die oszillierenden Klänge, die der französische Künstler Frédéric Nogray mit seinen Quarzschalen generierte. Aber auch freie Improvisation kam nicht zu kurz: Seien es etwa die quecksilberschnellen Interaktionen zwischen dem Cellisten Noid, der Künstlerin Tamara Wilhelm an den DIY-Elektronics und Kazuhisa Uchihashi aus Japan mit seinem kinderstimmenhaften Daxophon oder die spielerischen Improvisationen zwischen den beiden Musikerpaaren Perch Hen Brock & Rain. Als "reinsten Wahnsinn" wiederum bezeichnete ein Festival-Gast den Auftritt von Sprachakrobat Jaap Blonk, Schallplattenmalträtierer Lasse Marhaug und der Sängerin und Elektronikkünstlerin Maja Ratkje. In der Tat: Die drei ließen mit ihrer verrückten Performance wahrlich die Gehirne braten.