(irr) Um eine Ahnung von Herbie Hancocks Lebensreife zu vermitteln, kann man sich Altersangaben mittlerweile schenken. Es reicht, auf den Geburtstermin seines Über-Hits hinzuweisen: Mit dem Baujahr 1962 ist der "Watermelon Man" selbst schon fast pensionsreif. 52 Jahre, die für Hancock, den findigen Jazzpianisten, nicht ganz unproblematisch waren. Würde er das Stück nicht stets variieren, sagte der Ex-Miles-Davis-Sideman im Wiener Konzerthaus, hätte er es längst ad acta gelegt.

Nur leider: Statt der verhießenen Abwechslung entstand am Sonntag vielmehr der Eindruck, dass sich Hancock - in Ermangelung eines neuen Albums - ideenarm durch den Abend zu lavieren versuchte. Zwar wurden dem angesprochenen Evergreen zwei Präludien vorangestellt: Auf wabernde Klangschlieren folgten quetschige Synthies. Für das Folgende war das aber egal: James Genus ließ den E-Bass originalgetreu grooven, Gitarrist Lionel Loueke beschränkte sich auf Wah-Wah-Dienst nach Vorschrift, Vinnie Colaiuta züchtigte sein Drumset derb. Und der Chef? Mag der Jazzrock, zu dessen Ikonen er zählte, auch eigentlich in den 80ern verblichen sein: Hancock malte ihn in allen Neonklangfarben seines Synthies neu, wobei auch der Einsatz eines - ächz! - Umschnallkeyboards diesen Solo gewordenen Endlosschlangen weder Maß, Ziel noch Pointe verlieh.

Die Zeit totgeschlagen


Bemerkenswert (neben dem üblen Sound) war lediglich die Ökonomie im dröhnenden Stillstand: Allein zwei Songs reichten Hancock, um die erste Konzertstunde totzuschlagen. Derjenige vor dem "Watermelon Man" war übrigens "Actual Proof" (1974). Ein neuer Kreativitätsbeweis wäre erbeten.

Konzert

Herbie Hancock Quartet

Wiener Konzerthaus