That’s when it all began. Der 5. Mai des Jahres 1965 ist ein gelbsonniger Frühsommertag in Manlo Park, einem Vorstädtchen von San Francisco. Eine Pizzeria serviert ihren Kunden Livemusik zu den Teigfladen. Jerry Garcia, Bob Weir, Bill Kreutzmann, Ron "Pigpen" McKernan und Dana Morgan geben ihr erstes Konzert. Man nennt sich The Warlocks. So heißt damals auch eine Band in New York.

Als Hippies noch Hippies waren: Grateful Dead, Freizeitchemiker, Kinder des Sommers, Raumreisende per Gitarrensolo. Christian Berger
Als Hippies noch Hippies waren: Grateful Dead, Freizeitchemiker, Kinder des Sommers, Raumreisende per Gitarrensolo. Christian Berger

Beide Gruppen finden den Namen zu beliebig. Die an der Westküste werden sich bald Grateful Dead nennen, die im Osten The Velvet Underground. Dana Morgan wird nach dem Gig durch Phil Lesh ersetzt. Das Pentagramm ist komplett, ein langer und seltsamer Trip beginnt.

Sunshine Daydream. Der Schriftsteller Ken Kesey hat mit "Einer flog über das Kuckucksnest" einen Bestseller geschrieben und kann nun seinen Traum leben. Es ist der Traum, Amerika das Licht zu bringen - und das Licht ist LSD. Möglichst viel von dieser mächtigsten psychoaktiven Droge, die die Menschheit kennt, unter die Leute zu bringen, ist das Weltraum-Programm der Gegenkultur.

Das Amerika der Anzüge und Zigarettenwerbungen fliegt mit Naziraketen zum Mond, die Hippies erforschen die unendlichen Weiten des eigenen Gehirns. Mit seiner Freak-Kommune "The Merry Pranksters" tript Kesey in einem knallbunt bemalten Bus durch die USA. An Bord sind auch die Grateful Dead. Zwei Jahre lang spielen sie die Musik zu den "Acid Tests", den Partys, bei denen Kesey das damals noch legale LSD an jeden verteilt, der es haben will. Das Zeug stammt vom Selfmade-Chemiker Owsley Stanley, der auch zum Toningenieur der Band wird.

Zwischen den Busreisen lebt die Gruppe zusammen in einem Haus, auf dessen Dachboden Stanley pulverförmiges Acid herstellt, das langsam nach unten in alle Räume staubt und jeden auf einen nie endenden Trip schickt, der sich länger in dem Gebäude aufhält. Hunderte unter dem Einfluss psychedelischer Drogen gespielte Konzerte machen 1965 und 1966 aus den Bandmitgliedern von Grateful Dead ein Kollektiv, wie es die Rockmusik noch nicht gesehen hatte.

Die Musik hat vor allem live einen dermaßen einheitlichen Flow, als seien alle Musiker die ausführenden Organe eines einzigen Gehirns, das hoch sensibel auf jede kleine Stimmungsveränderung im Publikum reagiert. Grateful Dead spielen nicht so sehr vor Publikum, sie spielen mit dem Publikum. Ganz wichtig ist dabei die Soundanlage. Lautsprechertürme ragen 30 Meter hoch in den Himmel, so wie Monumente des Rock ’n‘ Roll, die auch noch die hintersten Winkel der Konzertsäle ausreichend beschallen sollen.