Es gibt wenige Künstler, die - obwohl sie nicht dem Mainstream zuzurechnen sind - auf breite Zustimmung bei Zufallshörern stoßen. Bei Heather Nova scheiden sich die Geister kaum. Die auf den Bermuda-Inseln geborene Singer/Songwriterin kann mit ihren zwischen elegischem Pop und harmonischem Folk-Rock changierenden Werken verschiedenste Geschmäcker bedienen.

Dabei hatte sie, als sie vor 25 Jahren noch unter ihrem Geburtsnamen Heather Frith ihre Karriere startete, nicht wirklich für Furore gesorgt. In New York erhielt sie keinen Plattenvertrag, erst in London gelang es ihr, langsam Fuß zu fassen. Mit dem melancholisch-düsteren Werk "Oyster" und aufwühlenden Songs wie "Island" oder "Walk This World" schaffte sie 1994 den Durchbruch.

Nun präsentiert die Künstlerin "The Way It Feels", ihr mittlerweile neuntes Album. Und wie bei ihrer letzten Produktion, "300 Days At Sea" (2011), hat sie die Platte über die Internet-Plattform PledgeMusic finanziert. "Ich mag diese enge Verbindung mit den Fans, ohne einen Vermittler", meint Heather Nova im "Wiener Zeitung"-Interview. "Das ist eine gute Sache, die aus der Veränderung der Musikindustrie entstanden ist."

Für die neue Platte wollte die Musikerin den Sound ein wenig verändern. Es sollte mehr die Folk-Seite zur Geltung kommen, die CD nicht so sehr in Richtung Pop gedrillt werden. Auf die Produzenten Jay Clifford und Josh Kaler stieß sie per Zufall. "Es war sehr wichtig für mich, den richtigen Produzenten zu finden. Wenn man eine falsche Entscheidung trifft, könnten die Songs dann so klingen, wie man es nicht will. Ich habe viele Platten angehört, während ich meinen Sohn täglich in die Schule gefahren habe. Ich brauche dazu 40 Minuten, so hatte ich viel Zeit, Musik zu hören. Es gab eine Platte, die ich immer wieder angehört habe, weil mir der Sound gefiel. Die Platte hieß Gold In The Shadow von William Fitzsimmons. Und ich dachte mir, diesen Sound will ich haben. So schaute ich auf der CD nach, wer die Platte produziert hat."

Heather Nova rief die beiden Produzenten einfach an und fragte, ob sie mit ihr ein paar Songs aufnehmen wollten. Aus den paar Songs wurde ein ganzes Album. Die Aufnahmen fanden in einem kleinen Heimstudio in Charleston statt. "Es war für mich ein Abenteuer, irgendwo hinzugehen, wo ich noch niemals war, und mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ich nie zuvor getroffen hatte - und diese Chance zu nutzen. Es ist ein guter Fingerzeig, dass man seinen Instinkten folgen sollte", ist die grazile Sängerin von ihrer Entscheidung überzeugt.

"Als ich in Charleston im Studio war, fühlte ich mich glücklich, denn das ist der Teil, den ich wirklich liebe: der Prozess des Entstehens, nicht das fertige Album. Seine eigenen musikalischen Ideen im Studio mit anderen Musikern zum Leben zu erwecken. Das ist wirklich ein Privileg."

Die neuen Songs handeln auch diesmal von Emotionen, vom Verlangen nach Liebe, Freiheit und Natur. "Ich habe da noch nicht wirklich alles herausgefunden, so werde ich weiter darüber schreiben, bis ich alle Antworten beisammen habe", meint Heather Nova augenzwinkernd.

Politische oder ironische Songinhalte mag sie nicht. "Ironie ist nicht Teil meiner Musik, denn das, was ich schreibe, kommt aus der Seele." Allerdings ist durchaus Platz für andere Inhalte. "Hie und da habe ich eine Idee und schreibe einen Song dazu, wie etwa Girl On The Mountain. Er ist über eine Freundin, die eine schwere Zeit hatte, um ihr Mut zu machen."

"The Way It Feels" hat für Heather Nova auch eine sehr persönliche Bedeutung. "Als ich die Songs schrieb, versuchte ich, meine Ehe zu retten. Nun ist meine Ehe vorbei, deshalb ist es interessant zu sehen, wie ich mich damals fühlte. Jetzt, ein Jahr später, kann ich mich selbst betrachten und sehen, was ich damals noch gehofft hatte. Nun bin ich in einer anderen Situation und beschäftige mich mit Verlust und der Tatsache, dass etwas, das ich fühlte, endgültig vorbei ist. Das ist der Unterschied bei dieser Platte. Mein nächstes Album wird dann über die Trennung sein."