"Wer nur etwas von Musik versteht, versteht auch davon nichts." Einer, der sich an Hanns Eislers Verständnis vom Zusammenspiel von Gesellschaft und Musik orientiert, ist der deutsche Künstler Alfred 23 Harth. Zusammen mit Heiner Goebbels und dem englischen Schlagzeuger Chris Cutler gründete er 1982 die Band "Cassiber", um bekannte und vertraute Musik so zu bearbeiteten, dass sie auf zeitgenössische Möglichkeiten der Komposition trifft. 23 Jahre nach der Auflösung der Band arbeiten Harth und Cutler nun wieder an der Idee und münzen gemeinsam mit Kazuhisa Uchihashi und Nasuno Mitsuru den Zusammenprall von musikalischen Stilen auf die heutige gesellschaftlichen Zustand um. Wie sich das anhört konnte man im Rahmen des heurigen "unlimited"-Festivals in Wels erleben: Elemente aus Neuer Musik, Wave, Industrial, Punk oder Elektronik wurden rigoros angespielt, um sie dann mittels eruptiver Lärmkaskaden zu zerbrechen.

Insgesamt 29 Konzerte standen von Freitag bis Sonntag auf dem Programm der 29. Ausgabe des "unlimited" Musikwochenendes. Erstmal wurde dafür am Gelände des Alten Schlachthofs eine zweite, kleine Spielstätte eingerichtet, wo unter anderem Musiker wie Franz Hauzinger mit seinen Trompetenexperimenten oder Didi Kern mit seiner frohlockenden Schlagzeugperformance ihre solistische Kreativität ausleben konnten. Insgesamt zwölf Konzerte fanden dort statt, wodurch leider kaum Zeit blieb, durch das Hin– und Her zwischen den beiden Veranstaltungsräumen das Gehörte zu "verdauen".

Fotostrecke 14 Bilder

Kuratiert wurde das dichte Musikwochenende diesmal vom österreichischen Musiker Christof Kurzmann. Er sorgte  dafür, dass auch heuer wieder weltweit bekannte Persönlichkeiten vor allem aus der Improvisations-Szene in Wels gastierten. Darunter etwa das Tobias Delius Quartet, eine nur selten auf der Bühne zu erlebende Formation, die durch ihr schönes beschwingtes bis energetisches Zusammenspiel samt humoristischer Einlagen von Schlagzeuger Han Benninks eine bewegende Darbietung zwischen Komposition und freier Improvisation bot. Raum für persönliche Entfaltung ließ auch das Zusammenspiel zwischen den vier Musikern des Projekts "Scanning Grisey", das ausgehend von der Arbeit des französischen Komponisten Gérard Grisey tiefe, voluminöse Tonlagen-Variationen geschickt an den Einsatz von Stille koppelte. Für einen fulminanten Festival-Abschluss sorgte in der Nacht zum Montag wiederum das DKV-Trio (Hamid Drake, Kent Kessler und Ken Vandermark) mit ihrem virtuos wie schwungvollen Zusammenspiel und der steten Steigerung am Limit.