Musik als biografischer Spiegel: Mariza, 41 und seit fünf Jahren Mutter, hat eben ihr neues Album "Mundo" veröffentlicht. - © Carlos Ramos
Musik als biografischer Spiegel: Mariza, 41 und seit fünf Jahren Mutter, hat eben ihr neues Album "Mundo" veröffentlicht. - © Carlos Ramos

Wien. Unnahbarkeit kann man ihr nicht vorwerfen: Gegen Ende ihres Auftritts schreitet Mariza, die hochgewachsene Frau mit dem hellblonden Haar, wie ein gütiger Engel durch den großen Saal des Wiener Konzerthauses und schüttelt Hände. Man könnte das eine pathetische Geste nennen, wäre man nicht selbst erweicht von der Stimme dieser Frau, die 1973 als Tochter eines Portugiesen und einer Mosambikanerin zur Welt kam. Mit ihren erdigen Brusttönen, der satten Mittellage und den inbrünstigen Koloraturen, die bisweilen an Muezzinrufe erinnern und doch immer im Dienst der Sehnsucht und des Herzeleids stehen, ist Mariza das globale Sprachrohr des portugiesischen Fado. Nach einem Konzert mit schwerblütigen Genreklassikern, Mitsing-Hits wie "Rosa branca" und poppigem Material von ihrem neuen Album "Mundo" (Warner Music) gab die Sängerin der "Wiener Zeitung" am späten Montagabend noch ein Interview.

"Wiener Zeitung":Ihr Vater hat Sie von klein auf dazu ermutigt, Fado zu singen. Sie wollten dann aber in Richtung Jazz und Soul, richtig?

Mariza: Erst als Teenager. Bis ich 16 war, sang ich Fado, und den sang oder hörte eigentlich jeder in meiner Gegend von Lissabon, im Stadtteil Mouraria. Nur außerhalb schien es niemanden zu interessieren. Im Gymnasium wurde ich gefragt, was ich in der Freizeit so tue. Ich sagte, ich singe Fado. Da meinten meine Mitschüler: Uuuh, das ist etwas für alte Leute! Also versuchte ich, andere Arten von Musik zu verstehen, ich näherte mich der kapverdischen Community sowie dem Rock’n’Roll und der Soul-Musik. Aber das war eigentlich nicht mein Universum.

Warum galt der Fado damals als so altbacken? Weil ihn das Salazar-Regime so stark kultiviert hatte, bevor es 1974 gestürzt wurde?

Historisch ist das wohl richtig. Ich kann dazu aber nichts sagen, weil ich die Zeit nicht miterlebt habe. Als ich im Zentrum des Fado ankam, war er in der Arbeiterklasse angesiedelt. Vor 16 Jahren, ich hatte gerade meine erste Aufnahme fertig, gratulierten mir meine Freunde und meinten, ich solle zu einem Label gehen. Aber in ganz Portugal war niemand interessiert. Zu meiner Überraschung wollte mich dann ein kleines niederländisches Label. Das machte richtig Druck, bis ich unterschrieb. Als das Album dann in Portugal herauskam, wurden 120.000Stück verkauft - bis dahin erschien Fado in Auflagen von rund 3000 Platten. Seither verstehen die Menschen, dass es sich dabei um eine gehaltvolle Musik handelt. Und ein jedes Label will seinen Fado-Sänger - egal ob schlecht oder gut.