Das diesjährige Donaufestival verstehe sich als Manifest der Nicht-Norm, des anderen, des postkolonialen Blicks auf eine Welt des Grauens, so Tomas Zierhofer-Kin, der künstlerischer Leiter. Mit der zwölften Ausgabe geht heuer die Intendanz von Zierhofer-Kin zu Ende. Von 29. April bis 7. Mai versammelt er nochmals gesellschaftskritische Performances sowie zeitgenössische Musik zwischen Pop und Avantgarde. "Die Statements unserer Künstler sind auch Ausdruck von Hoffnung und Utopie, ein Appell zu einem neuen Denken, Handeln und Empfinden", meinte der Intendant im Vorfeld. Im Fokus stehen Flüchtlingsthemen, Rassismus und Behindertenfeindlichkeit.

Saint Genets Bilderwelten und God’s Entertainments europäische Tragödie

Zwei zentrale Produktionen widmen sich dieser Thematik: Einerseits bringen God’s Entertainment mit "Teil II der neuen europäischen Tragödie" die Flüchtlingsthematik in die Messehalle von Krems und konstatieren im vorangestellten Titel überspitzt "Niemand hat euch eingeladen". Andererseits setzt sich Saint Genet rund um Kreativkopf Derrick Ryan Claude Mitchell mit Migration auf einer historischen Ebene auseinander: In "Frail Affinities", das in Krems zur Uraufführung kommt, wird mittels einer Performance und Installation die Suche einer Gruppe US-amerikanischer Siedler nach einer neuen Heimat im Jahr 1846 auf die Bühne gebracht. Wer sich schon vor dem Festivalauftakt mit Saint Genets meist sehr einprägsamen Bildwelten auseinandersetzen will, erhält dazu ab 13. März in der Kunsthalle Krems Gelegenheit: Dort ist "Who With Their Fear Is Put Beside Their Part" in der zentralen Halle zu sehen.

Mit "migrantischen Körpern" beschäftigt sich auch Elisabeth Tambwe, die mit einer Installation, einem Video sowie einer Performance vertreten sein wird. Dabei begegnet man unter anderem "dem überzüchteten europäischen Huhn als Symbol von Massenkonsum".

Als Österreichische Erstaufführung ist "Dschingis Khan" von Monster Truck und Theater Thikwa zu sehen: Darsteller mit Downsyndrom führen die Besucher dabei in die Welt der Mongolen ein. Die "Kunstinspektion Donau", ein Vorhaben von Julius Deutschbauer, David Jagerhofer und Barbara Ungepflegt, hat ihr Wachzimmer im Stadtcafé Ulrich eingerichtet.

Wie immer sehr eklektisch gestaltet sich die musikalische Schiene: Neben bekannteren Acts wie den schottischen Postrockern Mogwai, die ihre Soundtrackarbeit "Atomic" mitbringen, oder dem syrischen Sänger Omar Souleyman gibt es Künstler aus dem arabischen und afrikanischen Raum zu erleben. Auch hier sollen Darbietungen abseits der Norm sowie kulturelle Interaktionen vorherrschend sein. Das Faible für prononcierte elektronische Musik am Puls der Zeit unterstreicht das Festivalteam mit Namen wie DJ Koze, Tim Hecker, Pantha Du Prince oder Fuck-Buttons-Mitglied Ben Power, der mit seinem Soloprojekt Blanck Mass die Wände zum Erzittern bringen dürfte. (vf)

Donaufestival - Redefining Arts

von 29. April bis 1. Mai sowie 5. bis 7. Mai an verschiedenen Locations in Krems. Weitere Infos auf der Website