Viel ist nicht mehr geblieben von der 1998 in Texas gegründeten Band Okkervil River. Benannt wurde sie, wie es sich für kluge Jungs Anfang 20 gehört, nach einer Erzählung der russischen Autorin Tatjana Tolstaja, die am gleichnamigen Fluss in der Nähe von Sankt Petersburg spielt. Initiator der Band war der Gitarrist und Sänger Will Sheff - was der Presse mitunter zu blöden Witzen à la "Sheff ist der Chef" Anlass gibt -, dem sich schon bald als zweiter Kopf Jonathan Meiburg beigesellte. Die beiden gründeten 1999 dann auch die Indierock-Band Shearwater. Doch während Meiburg dieses Projekt inzwischen zu einigem Erfolg geführt hat, stieg Sheff 2009 wieder aus und widmete sich weiter Okkervil River, die über den Status eines Geheimtipps nie ganz hinauskamen - egal, ob sie düsteren Folkrock (wie 2005 auf "Black Sheep Boy") oder eher gut gelaunten Alternative Pop (wie 2013 auf "The Silver Gymnasium") im Angebot hatten.

Inzwischen ist Sheff der Letzte, der von der ursprünglichen Besetzung geblieben ist, und das achte Album beginnt vielleicht nicht ohne Grund mit einem Song, der die Unternehmung beerdigt: "Okkervil River R.I.P.". Aus einer Zeit der Krise heraus sei dieses Album entstanden, sagt Sheff. Die Band zerfiel, die Musikbranche irgendwie auch, den Großvater begleitete er im Hospiz beim Sterben, und Songs schrieb er einfach so ins Blaue hinein. Zum Glück ist daraus dann doch noch ein ganzes Album entstanden, eingespielt mit neuen Musikern (inklusive eines Gastauftritts von Marissa Nadler) und dem Klassikensemble yMusic: Das nun vorliegende "Away" nämlich, das die Nachdenklichkeit und die Melodieseligkeit des bisherigen Schaffens in neue Richtungen lenkt. Es dominieren eine Ernsthaftigkeit, die trotzdem Raum für Leichtigkeit lässt, Harmonien, die sich im Ohr festsetzen, ohne unbedingt gefallen zu wollen, und eine Unbeschwertheit, die um die Abgründe des Lebens weiß. "Days Spent Floating (In The Halfbetween)" heißt der letzte Song - und klingt fast nach einer Art Wiederauferstehung.