Draußen in der ewig langen Warteschlange oder drinnen vorbei am Eingangsschlauch und an den zu wenigen Getränkeständen mit dem zu teuren Bier für die zu vielen Leuten fällt einem hinten im Juchhe an einem der zahlreichen sichtverstellten Plätze recht schnell wieder ein, dass die Marx Halle in Wien ein verdammt deprimierender Ort sein kann. Allerdings trifft sich das heute zumindest insofern gut, als mit Robert Smith und seinen Begleitern von The Cure eine Band auf der Bühne steht, die einige der schwärzesten, hoffnungslosesten, depressivsten und deprimierendsten oder einfach nur zum Heulen schönsten Stücke Popmusik aller Zeiten geschaffen hat. Wie heißt es doch so übrigens absolut ernst gemeint im diesmal leider nicht gegebenen "One Hundred Years" vom künstlerischen Höhe- und in Sachen Zuversicht wiederum absoluten Tiefpunkt der Band namens "Pornography" aus dem Jahre Schnee von 1982? "It doesn’t matter if we all die."

Wonnige Pein

Ihren angesichts des zu erwartenden Marathons – letztlich werden es diesmal aber eh "nur" 31 Songs in zwei Stunden und 40 Minuten sein – relativ späten Dienstantritt beginnt die Band um 21.10 Uhr mit dem programmatisch kathedralischen "Plainsong" vergleichsweise aber nur in nicht ganz so gut drauf. Robert Smith mit seiner nach wie vor herrlich schneidenden, hübsch leidenden und scheinbar überhaupt nicht gealterten Stimme: "I think itʼs dark and it looks like rain, you said. And the wind is blowing like itʼs the end of the world."

Selbstverständlich trägt der Mann mit der heute noch eine Spur trauriger als zuletzt aussehenden Vogelnestfrisur, für dessen bevorzugt auf Leichenschminke und verwischten Lippenstift setzendes Erscheinungsbild sich schon seit jeher Gruselclown-Witze anbieten würden, wäre er als eine Art weiterer Fürst der Finsternis nicht die Gotthoheit, als die wir ihn verehren, die Arbeitskleidungsfarbe von Johnny Cash oder Gevatter Tod bei einem Spaziergang mit der Sense. Neben dem mittlerweile zur Musik passend friedhofsblonden Gitarristen Reeves Gabrels, der sich einst bei Tin Machine oder auch in dessen Soloschaffen für David Bowie verdingte, kommt ein bisschen Farbe nur mit Simon Gallup ins Spiel. Der Sidekick hat eine Jeanshose an, auf die in der in Sachen Dresscode unerbittlichen Gruftiszene zehn Jahre Kerker (bei guter Führung!) stehen, und umklammert einen Bass in der Farbe der Sonne, des Lichts! Weil das nun die auch angereisten Lack-, Leder- und Nieten-Goths in St. Marx zu Staub zu machen droht: Schnell, schnell, einmal Gegengift plus Kontrastmittel extra! "Yesterday, I got so old / I felt like I could die / Yesterday, I got so old / It made me want to cry." Wohliges Dunkel, wunschloses Unglück, wonnige Pein – endlich wieder traurig sein!