Fast jeder Österreicher kennt ihre Stimme: Amanda Palmer singt über einen "Coin-Operated Boy" in einem der meistgespielten TV-Werbespots der Marmelade-Historie. Bekannt wurde die US-Sängerin als eine Hälfte des Punkduos "Dresden Dolls", zuletzt war sie vor allem solo unterwegs. Gefeiert - und kritisiert - wurde Palmer auch als Pionierin des Crowdfundings für Popmusiker. Außerdem kann sie ziemlich gut Deutsch, was ihre Begrüßung beim Interview untermauert: "Grüß dich!"

"Wiener Zeitung": Vor ein paar Jahren nahmen Sie über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter über eine Million Dollar ein. Funktioniert das noch immer gut?

Amanda Palmer: Damals, 2012 bekam ich eine Menge Aufmerksamkeit, als ich eine Million erreicht hatte. Derzeit bleibe ich lieber ruhig, weil ich damals so hergewatscht wurde. In meiner Naivität dachte ich, jeder würde verstehen, wie das System funktioniert, aber selbst seriöse Journalisten wussten nicht, wie Crowdfunding funktioniert. Du hast ein Zeitfenster, du verkaufst CDs vorab, die Menschen geben dir dafür Geld und du nimmst es, stellst all die Dinge her und verschickst sie an die Leute. Aber selbst diese wirklich intelligenten Reporter waren der Meinung, dass ich einfach eine Million Dollar bekommen hatte, die ich auf die Bank trug. Das war sehr frustrierend. Und anstrengend. Ich verbrachte ein Jahr damit, missverstanden zu werden.

Aber Sie finanzieren sich jetzt nicht mehr über Kickstarter?

Nein, Kickstarter ist exzellent für einzelne Projekte. Wenn du aber dauerhaft damit arbeiten willst, kostet es einfach zu viel Energie. Ich bin jetzt bei Patreon, das ist dafür geeigneter. Ich kann da jederzeit auf einen Knopf drücken und Geld bekommen, es ist also ein System, das auf viel Vertrauen basiert. Meine Fans geben an, welchen Betrag ich ihnen höchstens pro Monat abnehmen darf. Viele Künstler drücken einmal monatlich auf den Knopf und bekommen dann ein "Gehalt", das ist bei 300 Leuten, die fünf Dollar im Monat geben, eine schöne Summe. Mir erlaubt es, Kunst zu machen, die ich nicht machen könnte, wenn ich darauf warte, dass meine Fans nach dem kreativen Akt Erbarmen mit mir haben und ein paar Dollar in den Hut werfen. Ich habe schon über 20 Projekte so verwirklicht, Lieder, Alben, eine Performance, für die ich mich von Bodypaintern als Damien-Hirst-Skulptur bemalen ließ, mich vor die New York Library stellte und Fans spendeten daneben Kinderbücher. Das Budget von 25.000 Dollar bekam ich über Patreon.