Eine Diva, so hat es zumindest früher geheißen, bekommt Gagen, zehn Mal höher als die der anderen Stars, und sollte das Einkommen aus Comeback-Auftritten irgendwann nicht mehr reichen, scheidet sie sich ihr Vermögen im Handumdrehen von Immobilien-Haien, Wall-Street-Wölfen und den Zugehörigen des deutschen Geldadels zusammen, die nicht bei drei oben im Schlosstürmchen sind. Für nur eines ihrer 500 Kleider müsste deine Oma ihr Sparbüchl auflösen und bei der Raika einen Kredit aufnehmen gehen, und das Viech, aus dem der Fetzen ist, würdest du so auch nicht kennen, weil es im hinteren Amazonas auf Anweisung einer Londoner Schneiderei vor einem Vierteljahrhundert, sagen wir, ausgestorben wurde.

Komm, so hat es früher geheißen, komm du nie einer Diva blöd, sonst stampft sie dich in Grund und Boden, dass dir Hören und Sehen vergeht, und gnade dir Gott, wenn du sie nach dem Alter fragst. Merke dir, so hat man damals gesagt, zwei Dinge fürs Leben: Eine Diva hat überhaupt kein Alter, und wenn doch, endet es verlässlich mit 9, während ihr Name immer mit "Die" beginnt, egal, ob Gabor oder Loren im Reisepass steht. Eine Diva trinkt nur aus tschechischem Bleikristall, zum Frühstück Champagner, als Schlummertrunk Cognac, und tagsüber sorgt sie dafür, dass der Hotelmanager allen Dienstmädchen kündigt. Eine Diva trägt getönte Brillen und jeden Tag Ballfrisur, sie scheucht ihre Entourage mit dem kleinen Finger herum, und wenn sie einmal gut aufgelegt ist, steckt sie dem Zeitungsbügler einen Hunderter aus ihrem Geldbörserl zu.

Eine Diva hat mehr Ausdruck in der achten linken Wimper als heutige "Kolleginnen" im ganzen Gesicht, und wenn es nach dem Auftritt zu Standing Ovations kommt, sagt ihre Miene nur unbeeindruckt: "Ich weiß!" Sie überlebt all ihre Männer, und kommt es doch anders, trägt sie ihr Leben lang Schwarz und hängt sich ein diamantenbesetztes Kreuz aus Elfenbein um den Hals. Eine Diva, so hat man früher gesagt, kommt aus einer anderen Welt, die noch für unsere Urenkel unerreichbar sein wird, und würden die sich einmal so aufführen, wären sie rückwirkend enterbt. Pass auf, so hat es damals geheißen, wir mögen sie nicht. Aber unsere Bewunderung, die ist ihr sicher.

Downsizing im Stil

Zuletzt mag es zu einer gewissen Rehabilitierung der klassischen Diva einer längst versunkenen Ära gekommen sein. Immerhin wurde ihre Rolle im Werbespot eines Schokoriegelherstellers ungewohnt ironisch angelegt, ihr kapriziöses Verhalten mit Unterzuckerung erklärt. Grundsätzlich aber waren die Zeiten für Diven schon einmal besser. Neben einem generellen Downsizing, was Stil und - nimmt man die Oscar-Verleihung einmal aus - öffentlich zur Schau gestelltes Pathos betrifft, hat das auch ganz profane Gründe. Womöglich hat das Publikum nicht mehr genug Geld, einer Diven-Armada das ihr angeborene Recht auf ein Leben in Saus und Braus einzuräumen. Und jetzt geh einmal her und erzähle einer Diva etwas von Crowdfunding!