Haben den Remix zur Kunstform erhoben: Peter Kruder und Richard Dorfmeister (r.). - © Kruder & Dorfmeister
Haben den Remix zur Kunstform erhoben: Peter Kruder und Richard Dorfmeister (r.). - © Kruder & Dorfmeister

Waren die wichtig und warum? Einen Professor für elektronische Musik oder eine Direktorin des Museums für Clubkultur gibt es nicht, die man anrufen und sie nach dem Urteil der Fachwelt zu Kruder & Dorfmeister befragen könnte. Relevanz ist in der Geschichte von Pop immer noch recht subjektiv. Bei der Stadt Wien ist man sich allerdings sicher. Am heutigen Mittwoch bekommt das Duo das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien - immerhin auf Stufe 4 von 7 auf der Wiener Ordens-Richterskala.

Es wird jedenfalls immer wieder behauptet, dass Kruder & Dorfmeister in modernen Zeiten die wichtigsten österreichischen Musiker - neben Falco - sind. Und gute Geschichten gibt es einige, die das untermauern. Am Höhepunkt des Hypes tourten sie in den USA, Japan, Australien, wurden von den größten Labels der Welt hofiert. Ihre "K&D Sessions" wurde alleine eine Million Mal verkauft. In Los Angeles, New Yorker und Pariser Cafés lief ihre Musik sowieso, aber plötzlich auch in kleinen Kaffs irgendwo in Montana. Alle wollten ein Stück von ihnen. David Bowie, Sade und Herbert Grönemeyer wurden wie viele andere auch abgewiesen. Authentisch bleiben, einfach Musik machen, Erwartungen ausweichen, das war wichtiger.

Ungekannte Eleganz


Was davon bleibt? Immerhin kann das, was heute im Club gespielt wird, vier Monate später schon für immer veraltet sein. Und Kruder & Dorfmeister betreiben zudem eine denkbar schlechte Pflege ihres Nachlasses. Sie geben wenig Interviews. Auf den Plattformen von heute, Spotify oder YouTube, sind viele ihrer Tracks nicht offiziell erhältlich, und wenn, ist die Tonqualität oft lange nicht so druckvoll wie die der Originale. Ein Album voll mit Remixen zum runden Geburtstag oder eine Verfilmung ihrer Biografien wird es im Unterschied etwa zu Falco sicher so bald nicht geben. Dazu kommt, dass - für Österreich typisch - schon ganz früh gegen sie angeschrieben und gespöttelt wurde. "Es hat wohl noch nie Soundtüftler gegeben, die mit so wenig echtem Output so viel Wirkung erzielt haben", hieß es noch vor sechs Jahren in der "Presse". Viele Menschen glauben selbst heute noch, Kruder & Dorfmeister hätten nie ein eigenes Album gemacht, ohne fremde Sounds und Samples, ihr ganz eigenes, wie von einem Demiurg aus sich selbst heraus geschaffenes Werk.

Das mag daran liegen, dass Kruder & Dorfmeister lieber den Remix zu einer eigenen Kunstform erheben. Montage und Bricolage wurden ja spätestens seit den 1950ern von den Strukturalisten als fruchtbare Kulturtechniken erforscht. Das Duo setzt diese in einer bis dahin nicht gekannten Eleganz und Virtuosität ein. Sie waren dabei keine Pioniere. Aber so wie verschiedenste Einflüsse von Dub, Breakbeat, Bossa Nova oder Downtempo zu einem zeitgemäßen, supranationalen Sound verschmolzen, kannte man das nicht. Dieser passte in eine Zeit, in der der westliche Lebensstil mit dem Zusammenbruch des Ostblocks kein Gegenmodell mehr hatte. Seit den frühen 90ern mussten auch Rechte an allen Samples geklärt werden. Deshalb entwickelte sich die Jagd nach unbekannten, quasi kostenlosen Sounds zu einer eigenen Königsdisziplin, die sie perfektionierten. Zu keiner anderen Musik ließen sich außerdem so blendend Joints verheizen.