Um einen Remix wird heute nicht mehr viel Aufsehen gemacht. Er ist zur Visitenkarte von DJs geworden, die damit einem bekannten Track eine neue Haut geben, in der es sich ganz einfach und ungeniert tanzen lässt. Bekannte Melodie und fetter Beat, oft ist die Rezeptur heute so einfach. Dass es deutlich vielschichtiger geht, haben Kruder & Dorfmeister vorgeführt. Auf der anderen Seite ist das Remixen von Filmausschnitten, Musik, Slogans oder Werbung in der heutigen Gif- und Meme-Economy ohnehin schon völlig alltäglich geworden.

Das sonische Erbe von Kruder & Dorfmeister ist heute nicht ganz so leicht nachzuweisen. Zwar nehmen viele prägende Stile der Vorjahre - wie etwa Chill Wave, Cloud Rap oder Alt-R’n’B - die massigen Beats, die dunklen Synthflächen, die schwer rollenden Bässe von früher wieder auf. Im Detail unterscheiden sie sich allerdings erheblich von damals. Die Seite allmusic.com listet wiederum Alben von so unterschiedlichen Künstlern wie Moby, Rhye, Caribou oder Apparat unter dem Stil auf. Die beiden Wiener gelten dabei als einer der entscheidenden, frühen Höhepunkte des Genres. Sie finden sich deshalb immer wieder auf internationalen Listen bester Alben, der 90er, elektronischer Musik oder von Mix-Alben. Für ein sehr gut erhaltenes Vinyl der originalen Pressung bekommt man rund 200 Euro. Und das, obwohl doch eigentlich sehr viele Exemplare davon im Umlauf sind.

Spätfolgen und neue Blüten


Für den Erfolg von zwei anderen Musikern aus Österreich hat das Duo außerdem Grundsteine gelegt. Parov Stelar und Klangkarussell haben dieselbe spielerische Eleganz weiter entwickelt, weitgehend instrumental, mit geschmeidigen Samples, die schon Kruder & Dorfmeister ein paar Dutzend Male um die Welt katapultiert hat. Es häufen sich sogar die Anzeichen im Wiener Nachtleben, dass Entschleunigung gerade wieder cool wird. Und wenn man nicht einfach im Inventar eines Museums verschwindet, sondern der Klang der Musik da und dort lebt und neue Blüten treibt, darf man Lust zu feiern bekommen.

Kruder & Dorfmeister erhalten heute, 15. März, das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien. Am Abend spielen sie eine "The golden years session" in der Pratersauna. Im Herbst sind sie Teil einer Wienpop-Schau im Wien Museum.