Es überrascht keineswegs, dass sich Colin Stetson nun auf ein Ambient-/Drone-Projekt eingelassen hat. Die Zusammenarbeit mit Liturgy-Schlagzeuger Greg Fox bei der Interpretation von Góreckis 3. Sinfonie im Vorjahr ließ erahnen, dass Stetson sich weiteren Stilen öffnen würde. Mit Jazz im klassischen Sinn hat sein Saxofonspiel ohnehin nichts zu tun. Das Quartett Ex Eye wird durch den versatilen Komponisten und Gitarristen Toby Summerfield und den Multiinstrumentalisten Shahzad Ismaily am Synthesizer komplettiert.

Stetsons farbig-verwunschene Jazzkonturen vermählen sich herrlich symbiotisch mit den schwitzenden Metalreferenzen. Gemäß guten postmodernen Gepflogenheiten wird eher assoziativ aus der jüngeren Post-Rock-Geschichte zitiert, wobei auch der ein oder andere psychedelische Akzent gesetzt wird. Doch diese Einsprengsel wirken eher wie Strandgut am Rande der Forschungen in musikalischen Tiefenströmungen, bei der das maternale ozeanische Gefühl als Erkundung in labyrinthische Tonlandschaften inszeniert wird. Von den Wogen wird der Hörer kathartisch geläutert herausgespült.