New Orleans. (cb) "RIP Fats" ist schon einmal an seiner Haustür gestanden. Im Jahr 2005, als der Hurrikan Katrina seine Heimatstadt New Orleans gewaltig zerstörte, war Fats Domino für einige Zeit verschollen. Doch die Blueslegende tauchte wieder auf - und setzte sich trotz fortgeschrittenen Alters mit aller Kraft und Benefizalben und -konzerten für den Wiederaufbau seiner geliebten Stadt ein. Er selbst hatte, wie so viele andere, viele Habseligkeiten verloren, aber sein Klavier, das hatte er noch. Das vom Wasser völlig derangierte Instrument steht seit einigen Jahren als Symbol der Zerstörung in einer Dauerausstellung über "Katrina" im Louisiana State Museum.

Sein Haus, aus dem er in einem Boot gerettet worden war, ließ der Musiker renovieren. Dort ist Fats Domino nun in der Nacht auf Dienstag im Alter von 89 Jahren gestorben.

Der erste Rock’n’Roll


Elvis Presley nannte Fats Domino einmal den "wirklichen King of Rock’n’Roll". Er musste es wissen, wurde (und wird) doch Presley selbst als der King gefeiert. Er erzählte durchaus offen (und sehr höflich), wie sehr Fats Domino ihn geprägt hatte: "Dieser Gentleman hatte großen Einfluss auf mich, als ich mit der Musik anfing."

1949 nahm Fats Domino den Song "The Fat Man" auf. Darin singt er davon, dass man ihn ja vielleicht einen fetten Kerl nenne, aber die Mädchen, die stünden gleichwohl auf ihn. Zur damaligen Zeit wurde das Lied als Rhythm & Blues kategorisiert, heute weiß man: Es war wohl die erste Rock’n’Roll-Platte aller Zeiten. Er selbst hat dazu bescheiden aber bestimmt gesagt: "Naja, ich würde nicht sagen, dass ich den Rock’n’Roll begonnen habe. Aber ich erinnere mich an niemanden, der das Zeug vor mir gespielt hat."

Fats - eigentlich Antoine - Domino wird als eines von neun Kindern in eine kreolische, höchst musikalische Familie geboren. Sein Vater spielt Violine, von seinem Schwager, einem Jazz-Musiker, lernt Domino Klavier. Mit 14 verlässt er die Schule und arbeitet in einer Fabrik, um nachts in Clubs auftreten zu können. Seine Musik ist einfach, entspannt und humorvoll, eine Mischung aus Deltablues, Country, Cajun und Jazz. Mit 20 klappt der Durchbruch: Dominos Plattendebüt "The Fat Man" wird fast über Nacht zum Millionenerfolg. Danach schließt sich Domino mit dem Trompeter Dave Bartholomew zusammen, und das Team schreibt bald einen Hit nach dem anderen. Für 23 Singles wird Domino in nur zehn Jahren mit Gold ausgezeichnet. In guten Zeiten verkauft er mehr Platten als Elvis - insgesamt 65 Millionen.

Die bekanntesten dieser Hits sind zweifellos "Blueberry Hill", "I’m Walking" und "Ain’t That A Shame". Legenden zufolge war letzteres das erste Lied, das John Lennon zu spielen lernte. Er sollte es auch 1975 covern und außerdem sagen, dass es die Beatles ohne Fats Domino nie gegeben hätte. Mit den Beatles verbindet Domino noch mehr: Ihr Song "Lady Madonna" huldigt dem Boogie-Woogie-Klavierspiel des Meisters. Er war so gerührt, dass er das Lied gleich in sein eigenes Repertoire übernahm.

Fats Domino nahm die Tradition des Blues und des Jazz und versah sie mit einem etwas härteren Beat - so entstand ein neuer Klang, der noch Jahrzehnte später Auswirkungen auf die Musikproduktion haben sollte. Er kann auch als Sinnbild dafür gelten, wie sich eine weiße Unterhaltungskultur reichlich und lukrativ an schwarzen Musiktraditionen bediente. Wie stark sein Einfluss nach wie vor ist, zeigen auch Beileidsbekundungen aus dem aktuellen Musikbusiness, etwa von LL Cool J: "Er hat den Weg für so viele geebnet", schrieb der Rapper beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich kann mich noch erinnern, wie ich als kleiner Bub seine Musik gehört habe."

Mehrfach geehrt


Mit dem Aufstieg der Beatles und der Rolling Stones beginnt der Stern von Fats Domino zu sinken. Nur noch selten feiert Domino Chart-Erfolge, dafür tourt er durch die Welt. 1986 wird er in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen, wenig später auch in die Ruhmeshalle des Blues - eine seltene Doppelehrung. Gemeinsam mit seiner langjährigen Ehefrau Rosemary, die 2008 starb, zieht Domino währenddessen acht Kinder groß. Sein Erfolgsrezept sah der Musiker immer ganz simpel, wie er einmal in einem Interview sagte: "So weit ich weiß, macht Musik die Menschen glücklich - mich macht sie jedenfalls glücklich."