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"Der Katalog", zum zweiten. Bereits 2009 hatten Kraftwerk ihre acht Alben von "Autobahn" (1974) bis "Tour de France Soundtracks" (2003) als Digital Remasters in einer aufwändigen Box herausgebracht. Seit zehn Jahren tourt die Truppe um das einzige verbliebene Gründungsmitglied Ralf Hütter mit beachtlicher Intensität rund um die Welt. Seitdem wurde auch das musikalische Material verändert und aktuellen Hörgewohnheiten angepasst. Keine Nostalgie also bei Kraftwerk, sondern beständige Fortentwicklung.

Die aktuellen Fassungen ihrer "industriellen Volksmusik" (Hütter) finden sich nun auf "3-D Der Katalog" (Warner). Auf DVD und Blu-Ray lässt sich die multimediale Bühnenshow bewundern, aber auch die Musikaufnahmen auf Vinyl und CD bestechen. Von 2012 bis 2016 live aufgenommen, enthalten sie keine Publikumsgeräusche wie Applaus und sind daher genauso gut als neues Studiomaterial zu hören. Musik Non- Stop - Techno Pop.Uwe Schütte

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Welches österreichische Bundesland ist Amerika am nächsten? Richtig: Vorarlberg, das Ländle ganz im Westen. Insofern ist es auch kein Wunder, dass die beste österreichische Americana-Platte dieses Jahres von dort kommt. Aufgenommen wurde sie in Bezau im Studio von Alfred Vogel, und dieser begnadete Schlagwerker gibt auch in der Band von Harry Marte den Takt vor. 61 Jahre ist der in Götzis geborene Harry Marte inzwischen alt, und er hat den Sound von Woodstock, Nashville und Südstaaten so tief in sich aufgesogen wie sonst kaum jemand in Österreich.

Aus elf "kleinen Gebeten" besteht sein jüngstes Meisterwerk "Little Prayers" (CrossCut), und der musikalische Bogen reicht von Desert Sound über Swamp Rock bis zu Roots-Klängen. Martes Stimme erinnert mitunter an Leonard Cohen, und wer Songs wie den Opener "I Will" oder das großartige "The River" hört, der weiß: Vorarlberg muss in Amerika liegen.

Andreas Wirthensohn

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"async" (Milan Records) beginnt mit einer poetischen Meditation, die sich ins Dramatisch-Sakrale wendet, womit das Thema des Albums auch schon exponiert wäre: Leben und Tod. Das mag banal klingen, ist es aber angesichts des bei Ryuichi Sakamoto im Jahr 2014 diagnostizierten Mundrachenkrebses dann doch nicht ganz. Im Zentrum steht ein Text von Paul Bowles: "How many more times will you watch the full moon rise? Perhaps twenty. And yet it all seems limitless." Um diese Refle-xion herum gruppieren sich musikalische Momente, die mal an Morricone erinnern, ins Sphärische abdriften oder einen Spaziergang evozieren.