Die in Chicago - der ehemaligen Heimat der legendären Wax Trax! Records - ansässige Band Hide feiert die 1980er Jahre als einen Industrialsumpf. Heather Gabel und Seth Sher beschwören auf ihrem Debütalbum einen düsteren Ort, an dem nackter Beton auf Freud’schen Seelenstriptease trifft, wo jede Reibung von Leibern das Vorspiel eines Kampfes auf Leben und Tod wird. Durch diesen Dschungel aus Sex, Obsession und Identitätsfindung - über dem reflexiven Duktus schwebt Rimbauds "Ich ist ein anderer" - werden entfernt noch Throbbing Gristle und Cabaret Voltaire hindurchgeschleust und mit Post-Punk- oder Gothic-Elementen bekleidet.

Von Beginn an dominiert eine unruhige Agonie, die auf Wellen der Verzweiflung ungemütlich anbrandet. Selbstbestimmung und Emanzipation erweisen sich als Chimären, deren Paradies sich als hedonistische Selbstverleugnung tarnt. Die Welt ist ein desillusionierendes Mantra, vor dem nur der Schutz einer zweiten Haut bewahrt, um nicht in dessen Abgrund eingesogen zu werden.