"Unsere Produktionen wären ebenso viele Spiegel, woraus unser Wesen sich entgegen leuchtete." - Karl Marx (aus den Exzerpt-heften). Arbeit wäre dann "freie Lebensäußerung, daher Genuss des Lebens" - wenn wir als Menschen produzieren würden und nicht immer schon auf eine Funktion reduziert und damit vom "menschlichen Wesen entfremdet" wären. Deshalb folgert Marx, die "einzig verständliche Sprache, die wir zueinander reden, sind unsere Gegenstände in ihrer Beziehung auf einander".

Zum 200. Geburtstag von Karl Marx erscheint eine Kompilation, die das Paradox versucht, die Dinge miteinander in Beziehung treten zu lassen, in deren Zusammenspiel sich - manchmal auch unter Einsatz der menschlichen Stimme - gleichzeitig das "menschliche Wesen" spiegelt.

Kunstproduktion als Arbeit als Lebensäußerung. Freilich ist jede Kunstproduktion schon wieder Teil der Konsumkultur und zirkuliert als Ware. Deshalb wird der Produktionsprozess auch selber noch einmal reflektiert, wie im Stück "Antikapitalist" von Andreas Reihse oder in "Der Zerfall des Systems" von Pharoah Chromium. Dass ein Marx’sches Andenken nicht ohne Humor sein muss, zeigen wiederum der "Karlstag" von Alexandre Babel oder "Engels Of Death Metal" von Philippe Petit.

28 Künstler und Künstlergruppen haben sich auf dieser Kompilation versammelt, um Marx’ Geburtstag zu feiern. Die Sounds sind zumeist experimenteller Natur und haben mit Songs im herkömmlichen Sinne wenig gemein. Es macht aber einfach Spaß, Caspar Brötzmann unterstützt von FM Einheit beim Zertrümmern von Klängen zuzuhören ("Marx Crash"), sich von dem beinahe schon loungeartigen "Kali" von Yr Lovely Dead Moon entführen zu lassen oder dem mittelalterlich angehauchten Kanon "Making This Now" von Narrow Bridges zu lauschen.

Auf "Karl Marx’s 200th!" gibt es viel zu entdecken und zu erforschen. Man darf sich überraschen und vielleicht auch anregen lassen, mal wieder in einem Buch von Marx zu blättern. Die Erlöse des Albums sollen übrigens komplett der Berliner Obdachlosenhilfe und ProAsyl gespendet werden.