Als Frontfrau der Band wosisig machte sie agitatorischen Folk mit Rap-affinem Vortrag und war eine fixe Größe bei zahlreichen FM4-Protestsongcontests. Demgegenüber mutet Sigrid Horns Solodebüt "Sog i bin weg", herausgekommen bei Ernst Moldens und Charlie Baders Label und von der Künstlerin gemeinsam mit Molden produziert, fast wie aus einer anderen Welt an: eine Art Kammermusik, oft nur durch ein Klavier begleitet und sporadisch sparsam durch Ukulele, Bratsche oder Concertina interpunktiert. Einzig ihre kräftige, autoritative Stimme verbindet Horn mit ihrer Vergangenheit.

In nicht immer leicht verständlichem Dialekt erzählt die Mostviertlerin von sich, komischen (wenn auch für potenziell Involvierte vermutlich nicht wirklich lustigen) Liebesgeschichten und unergründlichen Außenseiterinnen. Bemerkenswerterweise ist die Sängerin als lyrisches Ich in einigen Songs abwesend: "Maria" streift in rätselhafter Weise den Antagonismus zwischen Heiliger und Hure, während es in "Familiensochn" um einen Buben geht, auf den seine Eltern nicht wirklich stolz sind.