Nehmen im Zentrum ihrer neuen Platte etwas Fahrt heraus: das oberösterreichisch-salzburgische Vierergespann Kreisky. Foto: Wohnzimmer Rec.
Nehmen im Zentrum ihrer neuen Platte etwas Fahrt heraus: das oberösterreichisch-salzburgische Vierergespann Kreisky. Foto: Wohnzimmer Rec.

"Ihr Hunde, lasst mich los!" schreit eine aufgebrachte Stimme gleich zu Beginn. Wenig später geifert sie, dem Überschnappen nahe: "Ich habe gesagt, ich will niemanden sehen, was ist daran so schwer zu verstehen?"

"Trouble" heißt das neue Kreisky-Album stimmigerweise - und ein beträchtlicher Teil davon handelt von Ärgernissen, denen ein Individuum im beruflichen und sozialen Alltag ausgesetzt ist. Dass diese sich nicht förderlich auf das psychische und physische Wohlergehen auswirken, erkennt der fiktive Protagonist selbst. "Schließ Frieden mit deiner Frustration. Verwandle deine Wut in Energie", fordert er eine ähnliche Konsequenz ein wie die Clash in ihrem Klassiker "Working For The Clampdown" ( "Let´s fury have the hour, anger can be power, d´you know that you can use it?" ).

Anno 2011 allerdings wirkt, was 1980 noch ein (an-)griffiger Appell war, wie ein parodistisches Nachbeten von Krisenbewältigungs-Ratgebern sonder Zahl. Dies umso mehr, als Sänger, Texter und Keyboarder Franz Adrian Wenzl die Phraseologie sogenannter Erfolgsgeschichten auf "Trouble" noch einige Male auf die Schaufel nimmt: "Ich habe Pro 7, und den Cirque du Soleil, und Olympique Marseille aufgebaut, mir ausgedacht, durchgerechnet, groß gemacht. Nur mit meinen haarigen Händen, nur mit meinen haarigen Händen."

Als Vorbilder in der Disziplin des positiven Denkens werden Kreisky nicht in die Geschichte eingehen. Schon auf ihren Longplayern "Kreisky" (2007) und "Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld" (2009) schmissen sie mit Grant und Misanthropie großzügig um sich. Damit begeisterten sie besonders das deutsche Feuilleton.

Die "FAZ" bürdete im Jubel über "Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld" dem zu drei Vierteln oberösterreichischen und zu einem Viertel salzburgischen Quartett nichts Geringeres auf als die Hoffnung, "die deutschsprachige Rockmusik wieder aus der Falle der Belanglosigkeit" herauszuführen.

Frenetisches Stakkato

"Meine Schuld . . ." reüssierte auch hierzulande: In der musikalisch besonders anspruchsvollen FM4-Sendung "Im Sumpf" war sie Platte des Jahres, und einen Amadeus erhielten Kreisky dann auch noch. Allerdings half der in erster Linie - und da schrumpft die große Perspektive der Kreisky-Welt plötzlich wieder auf die provinzielle Enge des ländlichen Österreich zusammen -, skeptische Verwandte der Bandmitglieder zu beruhigen. "Die Eltern sehen dann, dass das doch was Ordentliches ist, was der Bua macht", sagt Gitarrist Martin Offenhuber lachend. "Es taucht nämlich schon regelmäßig die Frage auf: Und wie lange willst du das noch so machen?"