Eine Stunde nur Jazzklavier: Klingt öd, muss es auf CD aber nicht. Tigran Hamasyan, 23-jähriger Armenier, erweist sich auf seinem bereits vierten Album als Alleinunterhalter der findigen Sorte. Heimatliche Folklore zapft er ähnlich subtil an, wie der Israeli Avishai Cohen mit Nahöstlichem verfährt: Auch hier sprudeln pittoreske Klavierlinien, bürgen Akkord-Metamorphosen für Nuancen, erinnern bisweilen sogar ein bissi an Debussy. Und wie Cohen beliebt auch Hamasyan fallweise zu singen und summen, was in seinem Fall aber nah ans Mystische führt. Das kann Süßlich-Sehnsüchtiges bescheren ("Longing"), indes auch herrlich Traumhapertes ("What The Waves Brought").

Tigran: A fable. (Verve/Universal Music France)