Tucson ist eine Reise wert. Mitten in der Wüste zwischen Phoenix und dem Drogenumschlagplatz Nogales an der mexikanischen Grenze lassen sich köstliche Margaritas schlürfen, während man den Grillen beim Zirpen zuhört. Auf Partys wird selbstverständlich Bud Light getrunken, das bei den Einheimischen wie Starkbier wirkt. Berühmt ist die Stadt für seine Davis-Monthan Air Force Base, der ein Lager für stillgelegte Luftfahrtzeuge angegliedert ist, oder für die Old Tucson Studios, in denen etwa "Rio Bravo" entstand.

Schlagzeilen machte im Jänner dieses Jahres der Anschlag auf die Politikerin Gabrielle Giffords, bei dem sie während einer öffentlichen Veranstaltung lebensgefährlich verletzt wurde und sechs Menschen starben. Irgendwo zwischen diesen Extremen aus Nostalgie, Westernromantik und Absurditäten liegt das Universum von Howe Gelb.

Sein neues Album, "Alegrías", ist trotz melancholischer Anklänge mehr als eine Reminiszenz an bekannte Klischees. Wie der Titel, eine spezifische Art des Flamencos, andeutet, geht es um Leichtes wie Tanzbares. Konsequenterweise wurde die CD in Spanien eingespielt. Dem Giant Sand-Frontmann, dessen Soloveröffentlichungen beinahe ebenso umfangreich sind wie diejenigen seiner Band, ist ein elegantes Werk gelungen, das von der ersten Note an den Hörer in entlegene Wüstenoasen entführt - liegen diese nun in Arizona oder anderswo.

Doch das ist nur die eine Seite. Denn Gelb spielt mit den Country-Klischees, indem er ihnen huldigt und sie gleichzeitig seziert. Strukturalisten werden an der Musik also ebenso ihre Freude haben wie diejenigen, die sich von den einnehmenden Arrangements und Gelbs sonorer Stimme bezaubern lassen möchten. Gemixt wurde die arizonisch-andalusische Hochzeit im Übrigen von John Parish (PJ Harvey).

Howe Gelb & A Band Of Gypsies: Alegrías. (Fire Records/Cargo)