Wien.Wie man sein erstes Album seit viereinhalb Jahren anlegt, erklärt Leslie Feist derzeit so: Weniger als ein Magnum Opus sollte es nicht sein. Dass "Metals", das heute, Freitag, erscheint, dabei aufs Äußerste unangestrengt klingt, ist auch eingedenk der hohen Erwartungshaltung auf einen vermuteten Kraftakt zurückzuführen.

Wie die kanadische Songwriterin in Interviews offen erzählt, sei es nach der Tour zu ihrem Vorgängerwerk "The Reminder" (2007) Zeit für eine Pause gewesen. Immerhin war Feist gut sieben Jahre lang im Kreislauf aus Aufnahmen und Konzerten gefangen, worin die 1976 Geborene als durch die Weltgeschichte strawanzende Sängerin zwar zunächst kein Problem sah. Das Privileg, mit ursprünglich für ein überschaubares Publikum gezimmertem Liedgut plötzlich an der Spitze der Charts zu stehen, brachte bald aber die Erkenntnis mit sich, dass Kunst auch von "müssen" kommt.

Erfolge mit Major Label


Nach ihrem Solodebüt "Monarch (Lay Your Jewelled Head Down)", das 1999 noch keine Beachtung erfuhr, vertraute sich Feist zunächst der kanadischen Szene an: Für ihre WG-Kollegin Peaches verdingte sie sich live in Latex und Leder. Vor allem ihre Mitgliedschaft bei den Indie-Euphorikern Broken Social Scene brachte Feist dann aber auch einer größeren Öffentlichkeit nahe. Parallel dazu blieb ihr der nötige Freiraum, die Solokarriere voranzutreiben. Mit Universal nahm sich schließlich ein Major Label der Sängerin an. Dort begann man zu wittern, dass nicht nur mit Eintagsfliegen, sondern auch mit solidem Handwerk Geld gemacht werden könnte.

"Let It Die" wurde zum Überraschungserfolg, die breit gefächerte Mischung aus Indie-Rock, Soul, Pop und Chanson traf ins Volle. Feists betörende Stimme und ein Mix aus introspektiven Balladen und herzerweiternden Feel-good-Hymnen verkaufte sich ein halbe Million Mal. Das kommerziell noch erfolgreichere "The Reminder" schließlich untermauerte Feists Ausnahmestellung, scheiterte bei den Preisverleihungen aber am Durchbruch von Amy Winehouse.

Freunde der frühen Feist werden auf "Metals" nun zwar den weltumarmenden Gestus ihrer Kunst vermissen. Tatsächlich scheint sich die Songwriterin heute aber auf dem Höhepunkt ihres Schaffens zu befinden.

Geschrieben im Herbst des Vorjahres, arrangiert mit ihren alten Weggefährten Gonzales und Mocky in Toronto und aufgenommen inmitten der präpazifischen Kliffgegend im kalifornischen Big Sur, wird das Album von einem melancholischen Grundton bestimmt.

Gedämpft melancholisch


Diesen Grundton übersetzen nicht nur rohe Blues-Gitarren musikalisch entsprechend gedämpft. Trauermarschtaugliche Bläser, archaische Western-Szenarien klimpernd durchstreifende Percussions und Streicher, die die karge, Feists Stimme viel Raum lassende Soundlandschaft mitunter doch ins Üppige überführen, stehen neben jazzlastigem Klavier und Kontrabass als Musik für traurige Barhocker. Diese paart sich, wie bei "Caught A Long Wind", Blues-affin mit fernöstlichen Harmonien und Breitwandsounds in nur einem Stück.

"The Bad In Each Other" lässt mit einem Refrain aufhorchen, der auch von Antony & The Johnsons stammen könnte, während das beschwingte "A Commotion" Eingängigkeit und Experimentierfreude beglückend vereint. Zu hübschen Folk-Miniaturen wie "Cicades And Gulls" und allzu lieblichen Songs wie "Bittersweet Melodies" gesellt sich mit "Anti-Pioneer" ein herzergreifender Walzer, der in seiner reduzierten Bescheidenheit das Gegenteil von ausbrechenden Epen wie "Undiscovered First" darstellt.

Gänsehaut machende Songs und punktgenaue Arrangements als homogener Zyklus mit einem Überschuss an Melodien, dem zum Trotz sich Feist weiter denn je von chartstauglichem Pop entfernt. Abgesehen von den Texten, die sich teils etwas betulich im Naturlyrischen verlaufen, hat man es mit einem Album des Jahres zu tun - nicht nur in seinem Fach.