Es sind rare Momente des Glücks, die man empfindet, wenn ein alter Haudegen nach längerer Pause ein neues Album veröffentlicht. Ganz gleich, ob es sich um tragische Abschiedsvorstellungen wie etwa bei Warren Zevon (der danach an Krebs verstarb) oder Glen Campbell (der an Alzheimer leidet) handelt, oder um gelungene Comebacks wie bei Neil Diamond. Und sogar missglückte Platten (wie von Albert Hammond) werden mit Wohlwollen und Nachsicht betrachtet, denn es geht eigentlich nicht um die Musik, sondern um die nostalgische Aura, die Künstler und Werk umgibt.

Bei Tom Waits geht es sogar so weit, dass seine Ausstrahlung - und die Mythenbildung rund um seine Person - sein Schaffen bei weitem überstrahlen. "Tom Waits zelebriert seinen eigenen Mythos", hat der Kritiker der britischen Musikzeitschrift "Uncut" in seiner Rezension zum neuen Album geschrieben. Man kann es drehen und wenden wie man will: Waits hat es schon immer perfekt verstanden, sich und seine Kunst in Szene zu setzen. Einträge in verschiedensten Musik-Lexika lesen sich mehr wie Berichte über ein Fabelwesen, das in den Abgründen des amerikanischen Traums beheimatet ist, als über einen der versiertesten Songschreiber der letzten 40 Jahre.

"Bad As Me", das nagelneue Studioalbum des US-Amerikaners, das erste seit sieben Jahren, ist aber durchaus auch musikalisch gelungen und hörenswert, vorausgesetzt, man erträgt - ähnlich wie bei Bob Dylan - die Stimme des Sängers.

Der unkonventionelle Singer/Songwriter mit dem Hang zu eingängigen Melodien hat sich diesmal die Freiheit genommen, zwischen verschiedensten musikalischen Stilen hin und her zu pendeln. Wer etwa den Opener des Albums, "Chicago", mit dem Finalsong "New Year’s Eve" vergleicht, mag sich über den offenkundlichen Stilbruch wundern. Doch das ist eben Tom Waits - ein Mann, dem es Spaß macht, brachiale Uptempo-Stampfer mit melancholischen Balladen im Country-Walzer zu kombinieren.

Zwei Knittergesichter


Waits, der immer schon älter klang als er tatsächlich war, ist mittlerweile 61 Jahre alt und inspiriert wie eh und je. "Bad As Me" ist alles andere als "bad" und schon gar nicht langweilig, sondern überaus vielseitig. In jedem Song gibt es ein kleines Überraschungsmoment. Einmal krächzt der Amerikaner, dann versucht er sich im Duett ("Last Leaf") mit einem anderen der großen Knittergesichter des Rock’n’Roll, nämlich mit Keith Richards. Dieser soll zu den Aufnahmen angeblich mit einem LKW mit 600 Gitarren sowie einem Butler angereist sein. So erzählte es Waits jedenfalls dem Magazin "Pitchfork", freilich augenzwinkernd.