Das Recycling ergrauter Ohrwürmer: Im Jazz (Stichwort "Standard") ist es selbst eine alte Tradition. Frischen Wind beschert da, wer sich als Wiederverwerter ausnahmsweise nicht auf die alten US-Hadern stürzt. So geschehen auf der neuen CD des Saxofonisten Miguel Zenón: "Alma Adentro" ist eine Rückschau auf die Ohrwürmer seiner Heimat Puerto Rico, bis zurück in die 1920er Jahre.

Wer nun den schlichten Herzschmerz einer Buena-Vista-Filiale erwartet, irrt: Dafür ist Zenón, der Wahl-New-Yorker, ein zu smarter Kopf. Er pickt sich nur die Melodiekerne aus den gefühlssatten Boleros und Balladen und verfrachtet sie in völlig neue Arrangements für Jazzband und Holzbläser-Ensemble. Das zeitigt zwar nicht immer, aber doch oft grandiose Verbindungen aus Struktur und Sentiment: Da wehen Melodien wie eine ätherische Ahnung herein, heben mit vertrackten Rhythmen ab; und dann und wann drosselt Zenón seine Saxofon-Kaskaden, um selig in ihr Herz zu sinken.