Ein lauernder Klavier-Akkord und eine Bläser-Fanfare kündigen Dramatik an. Statt eines Infernos bahnt sich aber zunächst ein graziöses Streicher-Motiv den Weg, und eine Stimme singt gelassen über die Langsamkeit des Lebens. Dann erst geht es - im Dreiviertel-Takt - in die orchestrale Breite, während eine raue, instistente Stimme davon schwärmt, sich selbst und den ganzen Himmel entflammt zu haben.

"About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All" ist der bestechende Auftakt zu Dan Mangans neuem Album, "Oh Fortune". "Die Welt kann manchmal ein schwieriger Ort sein", sagt Mangan, "und der Song handelt davon, wie man darin die Oberhand behält. Nicht einfach zu reagieren auf das, was um einen passiert, sondern zu agieren."

Der im Opener programmatisch formulierte Imperativ zu aktivem Handeln zieht sich, konterkariert von dagegen auftretenden Widerständen, als Existenzdrama in neun Szenen (Songs) durch die ganze Platte. "How Darwinian" schildert das unterschwellige, nicht dingfest zu machende Unbehagen am Leben in einer Kleinstadt, wo Leute nicht genau wissen, was sie wollen - sondern nur, dass sie wollen. "Post-War Blues" handelt vom Posttraumatischen Belastungsstörung-Syndrom bei Kriegsveteranen.

"Wenn du mit einer fehlenden Hand aus einem Krieg heimkommst, ist es sehr offensichtlich, was dein Opfer war. Aber wenn du zurückkommst und jahrelang nicht schlafen kannst, keine Beziehung mehr zu irgendjemandem aufbauen kannst, weil dein Kopf so voll mit schrecklichen Bildern ist, dann ist das für Leute schwerer zu begreifen. Dadurch, dass in den USA und in Kanada die Militär-Ausgaben erhöht und gleichzeitig die medizinischen und sozialen Aufwendungen gekürzt worden sind, steht für Kriegsheimkehrer keine Betreuung mehr zur Verfügung. Der Song handelt auch von Manipulation, Irreführung und der Frustration, offensichtlich benutzt worden zu sein", erzählt Mangan im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Kein Troubadour


Verschiedene Perspektiven werden - als Metapher für unterschiedliche Größenverhältnisse von persönlichen und globalen Dramen - in "Leaves, Trees, Forest" gegeneinander gestellt. Zugleich ist das einer von mehreren Songs , die - wie auch "Regarding Death And Dying", "If I Am Dead" und nicht zuletzt der Titelsong "O Fortune" - die Endlichkeit allen Seins erörtern.

Für einen 28-Jährigen beschäftigt sich Dan Mangan bemerkenswert oft und viel mit dem Tod. "Immerhin ist er eine der wenigen Gewissheiten in unserem Leben", erklärt er. "Und je mehr man sich damit bewusst auseinandersetzt, desto besser kann man seinen Frieden mit ihm schließen, und desto besser kann man ein erfülltes Leben führen."