Bei den ersten Tönen von "Silent Symphony" fühlt man sich an Metal-Balladen erinnert und wartet auf den ekstatischen Ausbruch, der jedoch ausbleibt. Fein gewebt, steigert sich "Black Cathedral" mit dezenten Streicherkaskaden, bis Drew Sarichs Stimme mit "I’m dragging you to hell" endet. Doch die Hölle ist kalt. Immer wieder durchziehen Metaphern von Eis und Schnee die Texte, bevölkern Dämonen und Teufel Seelenlandschaften. "Haunted" nennt Drew Sarich dies - und findet für diesen Ausdruck keine geeignete Entsprechung im Deutschen.

Der 1975 in St. Louis, Missouri, geborene Sänger kam schon früh zur Musik. Mit drei Jahren wurde er regelmäßig zu Chorproben mitgenommen, die seine Mutter leitete. Er durchstöberte die Plattensammlung seiner Eltern, stieß dort auf Beach Boys und Neil Diamond; durch seinen Onkel kamen Black Flag und George Thorogood and the Destroyers hinzu. Sarich wurde nach eigener Aussage "glücklicher, je lauter es wurde."

Musical-Karriere


Mit acht Jahren begann er Klavier zu spielen, Cello und Gitarre folgten. Anders als Baseball oder Mathematik, war die Musik für ihn eine Sprache, in der er sich heimisch fühlte und die immer präsent war. Nach der Schule bewarb er sich am Bostoner Conversatory. Dieses hatte zwei Vorteile: Es war weit genug von seinem Elternhaus entfernt, und es legte auf Schulnoten keinen Wert, sondern nur auf Vorsingen und Vorspielen. Sarich studierte dort bis zum seinem Abschluss 1997 Musik, Schauspiel und Tanz.

Sein Weg führte über New York nach Berlin, wo er 1999 als Quasimodo im "Glöckner von Notre Dame" sein Europadebüt gab und seine spätere Frau Ann Mandrella kennen lernte, die selbst eine gefeierte Musicalsängerin ist. 2000 folgte die Rolle des Berger in "Hair" am Raimund Theater in Wien. Die Chancen, die sich ihm hier boten, und die bessere Lebensqualität im Vergleich zu New York ließen ihn vorerst bleiben, bis er eine Rolle am Broadway ("Lestat the Musical") bekam. Danach zog es ihn ins Londoner West End ("Les Misérables"). 2009 kehrte er mit "Rudolf: Affäre Mayerling" nach Wien zurück.

Drew Sarich wollte sich aber nicht nur als Musicalsänger definieren. Bereits 2000 erschien sein erstes Soloalbum, "Say it". In Wien stieß er zudem auf einen Pool an kreativen Musikern, mit denen er über Jahre hinweg zusammenarbeitete. Frucht dieser Arbeit war die Band Internal Victims und ihr Album "I.V.", das 2005 herauskam. Am Schlagzeug saß schon damals Titus Vadon (Das Balaton Combo/Russkaja), der Arrangeur und Produzent von "Silent Symphony". Wegen Drews Jobs in New York war aber an ein Promoten des Albums nicht zu denken.

Nach seiner Rückkehr wollte Sarich mit der Band weitermachen, doch Vadon hatte Zweifel. Internal Victims waren irgendwo zwischen Queen of the Stone Age und Foo Fighters einzuordnen und klangen nur wenig nach Drew Sarich selbst.

Wenige Monate später war die Idee geboren, eine Platte aufzunehmen, bei der Sarich im Zentrum stehen sollte. Somit wurde "Silent Symphony" der Versuch, im Singer-/Songwriter-Genre zu reüssieren.

Fehler-Geschichten


Die Aufnahmen zu den 15 Songs erfolgten in Vadons Tonstudio. Basis eines jeden war die Live-Einspielung von Sarichs Gesang und sein Gitarrenspiel. Die Grundstruktur orientierte sich am Storytelling: Die Lieder erzählen Geschichten und insofern berühren sie sich mit dem Genre des Chansons. Nicht jede Geschichte ist autobiographisch, doch thematisch folgen sie derselben Spur: Sie erzählen von menschlichen Fehlern, die zufällig, unbewusst oder bei klarem Verstand begangen werden, und von ihren Konsequenzen.

Die übrigen Musiker stammen zum Teil aus dem unmittelbaren Umfeld von Sarich und Vadon. So spielt Karin Vadon bei einigen Liedern Flöte. Aber Vadon suchte auch über Facebook einen Xylophonspieler und stieß auf Margit Schoberleitner, die unter anderem beim Katrin Weber Trio mitwirkte. Zudem konnten sie Georg Wimmer und Matthias Bartholomey von den Wiener Philharmonikern gewinnen. Diese und andere Musiker sorgten dafür, dass das Projekt eine kammermusikalische Note bekam.

"Silent Symphony" ist ein existenzielles Album. In einem Song geht es um die Situation einer Familie, die am Rande des Abgrunds steht ("A House Next Door To The Hole"), in einem anderen um einen intimen Moment nach einem heftigen Streit mit der geliebten Person ("Silent Symphony"). Wie Drew Sarich ausführt, handelt die Platte "auch von Gespenstern und Geistern, von Erfahrungen, die immer wieder zurückkommen und einen dazu machen, was man im Moment ist."

Passend hierzu wurde auch das Cover der CD gestaltet: Die Bilder wurden auf einem Friedhof aufgenommen, den man als Betrachter für einen Wald halten könnte. Zwar wird dadurch das Gespenstische noch einmal unterstrichen, gleichzeitig wird aber eine ruhige Atmosphäre geschaffen. Sarich selbst wurde im Stile von Serge Gainsbourg oder Jacques Brel inszeniert.