Bon Iver: Bon Iver - © 4AD/Beggars
Bon Iver: Bon Iver - © 4AD/Beggars

Nach dem in einer Jagdhütte in Wisconsin solo eingespielten Debüt "For Emma, Forever Ago" (2007) hat Justin Vernon/Bon Iver (lautmalerisches Alias nach dem französischen "Bon Hiver", "Schöner Winter") heuer sein zweites Album, schlicht "Bon Iver" betitelt, vorgelegt, das er wiederum mit forcierter Kopfstimme besingt, aber mit einer dichteren, raffinierteren musikalischen Textur versieht, die vor allem live mit neunköpfiger Band bisweilen zu einem gewaltigen Crescendo anschwillt. Geblieben ist der träumerische Grundgestus des bärtigen Barden, Gitarristen und Organisten, und eine betörende rurale Harmonik, die gerade - und nur scheinbar paradox - Stadtsongs wie "Perth" oder "Calgary" (aber auch "Holoscene" oder "Towers") durchzieht und zu prismatisch schillernden Klanggespinsten veredelt. Lediglich der zehnte (und letzte) track, "Beth/Rest", klingt etwas gar bieder und hausbacken, und hat dem US-Musiker wenig schmeichelhafte Vergleiche mit Sting oder Phil Collins eingebracht. Sei’s drum.