Cedric Bixler Zavala (l.) und Omar Rodriguez Lopez, die beiden bestimmenden Köpfe von The Mars Volta.
Cedric Bixler Zavala (l.) und Omar Rodriguez Lopez, die beiden bestimmenden Köpfe von The Mars Volta.

"Noctourniquet" ist das sechste Album von The Mars Volta. Gleich geblieben ist, dass Omar Rodriguez Lopez und Cedric Bixler Zavala sich als The Mars Volta ausweisen, deren Musik dann von der The Mars Volta Group gespielt wird. Im Vergleich zum Vorgänger "Octahedron" wurde die Musikeranzahl noch einmal verkleinert. Diesmal besteht sie neben den beiden Protagonisten aus dem Bassisten Juan Alderete, Marcel Rodriguez Lopez an den Percussions und als Neuzugang dem Experimental- und Avantgarde-Schlagzeuger Deantoni Parks.

Label und Filmprojekt


Drei Jahre haben sich The Mars Volta für ihr neues Album Zeit gelassen. In der Zwischenzeit hat Mastermind und Gitarrist Rodriguez Lopez sieben teils mehr, teils weniger spannende Alben allein 2010 auf seinem eigenen Label veröffentlicht. Zuletzt erschien 2011 mit "Telesterion" eine Art Best of des Solowerks. Zudem nahm er eine CD mit John Frusciante (ehemaliger Gitarrist der Red Hot Chili Peppers) auf und spielt Bass bei der mexikanischen Garage Punk Band The Butcherettes, deren erstes Album er auch gleich produzierte. Mittlerweile ist Rodriguez Lopez auch im Regiesessel zu Haus. 2011 stellte er seinen zweiten Spielfilm "Los Chidos" fertig, in dem das routinierte Leben einer mexikanischen Familie von einem US-amerikanischen Industriellen durcheinandergebracht wird.

Bixler Zavala, der lyrische Kopf, ließ es beschaulicher angehen. Noch in diesem Jahr soll ein Album der Band Anywhere erscheinen, die Bixler Zavala zusammen mit Christian Eric Beaulieu (Triclops!) und Mike Watt (The Stooges, fIREHOSE, Minuteman) gegründet hat. Außerdem mehren sich die Gerüchte, er arbeite an einem Soloalbum.

Doch fragt man sich, ob soviel rastlose Kreativität nicht Spuren hinterlässt. War schon bei "Octahedron" Jazzverzicht angesagt, so führen The Mars Volta ihren Weg insofern konsequent fort, als sie sich (fast) allein auf das Rockgenre konzentrieren. In dem Opener "The Whip Hand" wird ein galaktischer Sound durch einen Offbeat zerhauen. Dazu singt Bixler Zavala - poetisch etwas uninspiriert - "I’m a land mine, so don’t you step on me".

Recht schnell wird klar, dass The Mars Volta diesmal ihre Hörer nicht überfordern wollen, trotz textueller Anleihen bei der griechischen Mythologie oder Inspirationen durch den englischen (Kunst-)Filmer Peter Greenaway. Das geht leider so weit, dass sie mit der Ballade "Empty Vessels Make The Loudest Sound" die Grenze des musikalisch Trivialen überschreiten. Es gibt mit der Single "The Malkin Jewel" und dem disparaten "In Absentia" freilich Lichtblicke innerhalb des unter seinen Möglichkeiten gebliebenen Albums.

Koketterie oder Ironie?


Man wünschte sich, die Musiker hätten das dekonstruktive Moment, das ab und zu aufblitzt, selbst zum Thema gemacht. Allein die meisten Songs sind voll von soundgewaberten Banalitäten (Laserschwert!), weil es an allen möglichen (und unmöglichen) Stellen blubbert und piept. "Vedamalady" kokettiert gar mit dem Pop-Himmel. Ist das Ironie? Ist das alles ernst gemeint? Das Ganze wirkt auf jeden Fall trotz kosmischer Referenz ziemlich geerdet.

Gleichwohl bleiben manche Melodien oder Ansätze dazu anziehend. Daher könnte man "Noctourniquet" tatsächlich für das bisher zugänglichste Werk halten, würde dann aber wohl missverstehen, zu welcher Musik die Band bisher in der Lage war. Äußerst erfrischend ist Parks häufig einfallsreiches Schlagzeugspiel, für das sich zumindest ein Ohr lohnt.

Für 2012 ist eine Reunion von At The Drive-In angekündigt, die sich 2001 nach dem grandiosen Album "Relationship of Command" in Sparta und The Mars Volta aufgespalten hatten. Zumindest das lässt hoffen.