Wien. Die private Vita dieses Mannes und seine künstlerische Karriere sind mindestens so spektakulär, wie sein Comeback aktuell als überraschend zu bezeichnen ist: Mit Bobby Womack kehrt eine der größten Soulstimmen aller Zeiten zurück - nach langer Absenz und schwerer Suchtkrankheit. Wie das nächste Woche erscheinende Album "The Bravest Man In The Universe" als erste Veröffentlichung mit Originalmaterial seit 1994 belegt, will es der US-Amerikaner noch einmal wissen.

Der große US-Soulsänger Bobby Womack kehrt mit einem modern angelegten Album zurück: "The Bravest Man In The Universe" erscheint am 8. Juni. - © XL Recordings/Jamie-James Medina
Der große US-Soulsänger Bobby Womack kehrt mit einem modern angelegten Album zurück: "The Bravest Man In The Universe" erscheint am 8. Juni. - © XL Recordings/Jamie-James Medina

Geboren 1944 in Cleveland, Ohio, begann Womacks Gesangskarriere bereits als Kind. Als Sohn eines Pastors mit seinen Brüdern als The Womack Brothers im Auftrag des Herrn aktiv, fanden sie bald Unterstützung bei Sam Cooke, einer der prägendsten schwarzen Stimmen nicht nur seiner Zeit. Cooke nahm die Brüder für sein Label unter Vertrag, wo er sie nach anfänglich ausbleibendem Erfolg als The Valentinos in Richtung R&B und Soul weltlich produzierte. Eine Anfrage der Rolling Stones, das gerade ausgekoppelte "It’s All Over Now" zu interpretieren, stieß bei Co-Autor Bobby Womack 1964 auf wenig Gegenliebe, bis genau dieser Song für den Durchbruch der Stones sorgen sollte und die Tantiemen auf sein Konto strömten.

Boykott der Radiostationen


The Valentinos tourten nun mit James Brown durch die Lande, während sich Womack zusätzlich als Gitarrist seines Mentors Sam Cooke verdingte. Als dieser erschossen wurde, brach für Womack erstmals eine Welt zusammen. Seine baldige Hochzeit mit Cookes Witwe hingegen sorgte für Empörung in der Community.

Trotz qualitativ überzeugender Alben wie "Fly Me To The Moon" (1968) blieben ihm Soloerfolge vorerst verwehrt, weil ihn zahlreiche Radiostationen schlicht boykottierten.

Als Sessionmusiker spielte Womack wiederum höchst erfolgreich auf zentralen Alben von Aretha Franklin, Sly and the Family Stone oder Janis Joplin, ehe sein gerne um Funk erweitertes und von Streichern getragenes uvre aus Soul und R&B ab 1971 endlich die wohlverdiente Achtung erfuhr: Spätestens mit dem Soundtrack zu Barry Shears Blaxploitation-Film "Across 110. Street", dessen Titelsong später auch Quentin Tarantino für seine Genre-Hommage "Jackie Brown" verwendete, begann eine gut zehn Jahre währende Erfolgsstrecke.

Rückzug nach Erfolgen


Privat verlor der Sänger in dieser Zeit allerdings seinen Bruder Harry, der im Streit von seiner Freundin erstochen wurde, und seinen Sohn Truth, der dem plötzlichen Kindstod erlag. Als 1986 sein Sohn Vincent den Freitod wählte, verabschiedete sich Womack endgültig in eine Wolke aus Alkohol, Kokain und Paranoia - und verfiel somit jenem Leid, das dem Soul-Genre als "authentischer" Erlösungsmusik zu oft als zweifelhafter Nährboden diente.