Der Titel des fünften Studioalbums der kanadischen Band Metric ist zunächst musikalisches Programm. Nachdem es auf dem Vorgänger "Fantasies" deutlich rockiger zugíng, mischen sich nun vermehrt Synthesizer-Klänge zwischen die Gitarrensounds. Die Rhythmen neigen durchwegs zur Tanzbarkeit und manch ein Song wirkt - fast - discotauglich.

Welche Stilnuance Metric aber auch wählen, die Qualität ihrer Musik ermisst sich nach wie vor an ihrer charismatischen Frontfrau Emily Haines. Auch wenn das neue Album im Vergleich zu früheren Werken, wie etwa "Live It Out", ein bisschen nach Popanbiederung klingt, thront dennoch über allem Haines charmante Stimme, sodass man ihr die eine oder andere schwächere Melodie durchaus verzeiht.

Emily Haines ist die Tochter des 2003 verstorbenen Dichters Paul Haines, der das Libretto zur mittlerweile legendären Jazz-Avantgarde-Oper "Escalator over the Hill" beisteuerte. (Die Musik stammt von Carla Bley). Haines hat zusammen mit James Shaw Metric Ende der 1990er Jahre in New York City gegründet. Shaw ist gleichzeitig ständiges Mitglied der Band Broken Social Scene, deren verschachtelter Sound sich bei Metric aber keineswegs wiederfindet. Schwerer wiegt diesmal, dass das neue Album vom John O’Mahony abgemischt wurde, der auch für Coldplays "Viva la Vida or Death and all His Friends" das Mixing übernahm.

Aber auch O’Mahony konnte Metric den Biss nicht ganz nehmen, wie das treibende "Youth Without Youth" beweist. Im Inlay der CD sind die Texte spiegelverkehrt abgedruckt, lassen sich allerdings mittels beigefügter Spiegelfolie lesbar machen. Auf diese Art wird das Thema der Platte, die Differenz zwischen Original und Kopie, zwischen Synthetischem und Elementarem, noch einmal anschaulich gemacht. Freilich gibt es auch Witzigeres, wie etwa den Song "Lost Kitten", bei dem Haines fast eine Oktave höher singt als gewöhnlich.