Die französischen Philosophen Gilles Deleuze und Félix Guattari riefen in ihrem Buch "Mille Plateaux" in den 70er Jahren zum Nomadentum auf. Like A Stuntman haben mit ihrer neuen CD auf diesen Aufruf eine erfrischende Antwort gefunden - jenseits von Independent-Mainstream, Multikulturalismus und Internetwahn. Die Einflüsse, die das Quartett aus Frankfurt am Main in seiner Musik verarbeitet, reichen von der Tropicalia-Bewegung à la Os Mutantes über Indierock-Bands wie Sebadoh bis hin zu den Beach Boys. Diese ungewöhnliche Mixtur wird zu einem klar durchdachten Klanggewebe gesponnen, welches der Musik einen psychodelischen Zug verleiht - getragen von Drumcomputer, Harmonica, Keyboard und der facettenreichen Stimme von Sven Fritz.

2001 gegründet, brachten Like A Stuntman 2002 ihre erste EP auf den Markt. 2005 folgte der erste Longplayer beim englischen Label Highpoint Lowlife. Das hatte zur Folge, dass die Band in England viel bekannter wurde als in Deutschland. Eine fast nebensächliche Tatsache, wenn man Musik macht, die geografische Grenzen nicht nur schwerelos überschreitet, sondern die in diesem Kontext gar nicht zu existieren scheinen.

Der Nomade ist nicht derjenige, der sich - wie in manchen Diskurstheorien - solipsistisch an ein Netzwerk ankoppelt und hierbei die interaktiven Plattformen wie seine Hosen wechselt. Der wahre Nomade ist ein "Bedouin" inmitten einer Wüste des Geschwätzes, der jedoch aus diesem Lebensraum kreativ zu schöpfen vermag.

Er kennt kein Zentrum, keine Hierarchien, aber er überlässt auch nichts dem Zufall oder der Beliebigkeit. Sicher sind die 12 Songs von "Original Bedouin Culture" nicht immer eingängig. Wer sich allerdings auf sie einlässt, wird mit einer spannenden Reise durch eine weite akustische Landschaft belohnt.

Like A Stuntman: Original Bedouin Culture. (Bureau B /Indigo)