• vom 22.11.2011, 16:34 Uhr

Kultur

Update: 22.11.2011, 16:53 Uhr

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Leckts mich alle am Ismus!




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Die Macht der Presse: Ein Zeitungsabonnement schützt wirksam vor wackelnden Tischen. Jaroslaw Kozlowski hat’s erkannt.

Die Macht der Presse: Ein Zeitungsabonnement schützt wirksam vor wackelnden Tischen. Jaroslaw Kozlowski hat’s erkannt.

(cai) Algebra ist a) wenn man sich trotzdem verrechnet. b) Ein BH. (Wie der Wonder-Bra.) Oder c) ein Zauberwort. Ach, wahrscheinlich a. (Das Zauberwort ist jedenfalls nicht Algebra, sondern Abrakadabra.) Ist aber eigentlich eh egal. Denn Mladen Stilinovic steht sowieso mehr auf Arithmetik.


1 + 2 = falsch. Nein, Tschuldigung: 1 + 2 = 2. Nicht dass das richtiger wäre. Das ist bestenfalls eine grobe Schätzung. Und die Addition ist sicher nicht jugendfrei. (Wie

1 + 1 = 3, der "Aus Spaß wurde Ernst, Ernst ist heute neun Jahre alt"-Klassiker.) Noch dazu hat der Kroate diese Schweinerei auf nackte Brüste gekritzelt. 1 + 2 = 2: Das ist ja Meinungsfreiheit, das ist ja . . . Pornografie! (Geht’s da um Abtreibung?) "Lazy Mathematics" nennt Stilinovic das. Faule Mathematik. Genierer hat er ohnedies keinen. Wenn er über Gott, die Welt und das Geld sinniert, ist er so bescheiden wie möglich. Macht schlampige Collagen. Ein leerer Blechteller soll "Full of shit" sein. Hm. Ist die Welt also doch keine Kugel, sondern Scheiße? Das schriftliche Geständnis, täglich einen Rosenkranz zu beten, damit der Papst die Kirche abschafft, ist aber originell. Und über einen schweinischen Witz hab ich auch sehr gelacht. Kommt ein Spanferkel in eine Bar und sagt: "Es war noch nie so einfach, die Macht zu ergreifen." (Ha ha.) Okay, der Satz steht bloß bei einemFoto von einem Spanferkel dabei. Zwischendurch ist diese Billigästhetik ja ganz unterhaltsam. Dieser wilde Eklektizismus. (Klingt irgendwie wie "Leckts mich am Ismus".)

Galerie Martin Janda
(Eschenbachgasse 11)
Mladen Stilinovic, bis 7. Jänner
Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr

Wie bequem ist ein Stussel?

(cai) Die "Wiener Zeitung" ist also um nix besser als die "Kronen Zeitung". Beide Blätter lassen sich gleich gut unter ein Tischbein schieben und der Tisch wackelt dann nimmer. Jaroslaw Kozlowski hat mit Säge und Verbandszeug lauter schizophrene Möbel gebastelt. Die fühlen sich vom Fußboden verfolgt? Hm. Sie sind doch eher bipolar. Haben Stimmungsschwankungen. Nein: Gleichgewichtsstörungen. Einen Wackelkontakt zum Boden. Weil der Pole immer zwei unpassende Hälften brutal kombinieren muss. Einen halben Stuhl und einen halben Sessel vereint er zu einem unbequemen Stussel. Sogar bei den Büchern macht er halbe-halbe. Nietzschelungenlied hat er keins fabriziert, aber ein Werk von Krautzsche (von Kraus und Nietzsche). Sind diese frankensteinischen Fusionen eine Allegorie der Ehe? Oder der heilen Welt, die ein fauler Kompromiss ist? Oder ironisieren sie die Macht der Presse? Die Presse sorgt für Stabilität im Land (gibt den Wackeltischen Halt). Und was bedeuten die monochrom übermalten Zeitungsseiten an den Wänden? Dass Analphabetismus eine Kunstrichtung ist? Und ist das Zensur oder Zen? (Meditieren statt sich informieren.) Klare Ästhetik.

Galerie Steinek
(Eschenbachgasse 4)
Recycled News 2, bis 22. Dezember
Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr




Schlagwörter

Galerien, Termine, Kunst

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-11-22 16:41:11
Letzte Änderung am 2011-11-22 16:53:49


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