• vom 24.01.2012, 16:00 Uhr

Kultur

Update: 24.01.2012, 16:16 Uhr

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Dort sind die Zwerge extra large




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Carolin Thummes sieht jeden Hydranten.

Carolin Thummes sieht jeden Hydranten.© carolin thummes Carolin Thummes sieht jeden Hydranten.© carolin thummes

(cai) Sie sind unter uns. (Die Außerirdischen? Andere Personen mit Migrationshintergrund?) Bei jedem Wetter stehen sie draußen herum. (Die Kolporteure? Gewisse Damen?) Ach ja: Und sie sind unsichtbar. Die Einzigen, die sie sehen können, sind offenbar die Hunde. Die pinkeln sie zumindest an. Hm. Gemeint sind wohl doch nicht die Zeitungsverkäufer. (Oder die gewissen Damen.) Eh nicht. Sondern die Hydranten. Die gehören zum kollektiven Unbewussten einer Stadt. Mehr noch als die Mistkübel.


Da gibt’s so eine Redensart: Hunde, die das Bein heben, pinkeln. (Ähm, heißt das nicht: Hunde, die bellen, beißen nicht?) Manche Drohungen werden halt doch wahrgemacht. Wenn eine angekündigte Aktion aber wirklich stattfinden soll, dann darf man nicht so blöd sein und vorher die zuständige Magistratsabteilung um Erlaubnis fragen. Weil dann kann man’s vergessen. Carolin Thummes wollte mit einer Schulklasse bloß ein paar Hydranten in Wien selbstgestrickte Schals umhängen. Zur freien Entnahme für zufällig vorbeikommende Frierende. Blödsinn. Ein Karterl, das für ihre Ausstellung "Der Nebendarsteller" wirbt, wollte sie dran befestigen. Da hat sie noch nicht gewusst, dass der erste Bezirk eine "Schutzzone" ist.


© Yantra - Fotolia © Yantra - Fotolia

Na ja, sobald man in der Galerie Feichtner war, kann man sowieso keinen Hydranten mehr ignorieren. Um einen in freier Wildbahn zu finden, brauch ich jetzt keine Wünschelrute mehr oder einen Hund, der mich hinzieht. Seit 20 Jahren fotografiert Thummes diese Dinger nun schon. Richtige Persönlichkeiten. Die dicksten kommen natürlich in Amerika vor. (Im Land des XL sind ja sogar die Zwerge größer als überall sonst.) Ziemlich originell, die Pilgerreise zu den Zapfsäulen der Feuerwehr. Das Wandeln auf dem Florianiweg.

Lukas Feichtner Galerie
(Seilerstätte 19)
Carolin Thummes, bis 25. Februar
Di. - Fr.: 10 - 18 Uhr
Sa.: 10 - 16 Uhr


Total Apocalypse Of The Heart

(cai) Es ist nicht alles Klimt, was glänzt. Oder ist jeder, der blau ist, gleich ein Picasso, bloß weil Letzterer eine Blaue Periode gehabt hat? Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass Maja Vukojes luxuriöses Bild "Lux D’or" eine Anspielung auf Gustav Klimts Goldrausch ist. Das Licht besteht jedenfalls aus purem Gold. So als hätte der König Midas den Lichtschalter betätigt. (Midas, das ist der mit der Goldenen Periode, dessen Wunsch nämlich in Erfüllung gegangen ist, dass sich alles, was er angreift, augenblicklich in Gold verwandeln möge. So wie jedes Bild, das der Picasso zwischen 1901 und 1905 berührt hat, blau geworden ist. Hätte der Midas einen Künstlernamen gehabt, hätte er sicher Midasso geheißen.)

Als üppiges Ornament hängt die Beleuchtung vom Plafond. Und mit dieser wilden Collage aus fotografischen Elementen, Malerei und Stofffetzerln zeigt Vukoje wieder einmal, wie virtuos sie die verschiedenen Realitätsebenen verschränkt. Okay, eh nimmer so angeberisch wie früher, wo die Bravour fast schon kitschig war. Und wenn man genauer hinschaut, erkennt man die morbide Stimmung. Dass der märchenhafte Reichtum nur Show ist. Und der Ort abgefuckt. Ambivalent wie die ganze Ausstellung. In "Billboard" wird die Malerin der Fülle gar zur abstraktokalyptischen Prophetin, macht Werbung für das Nix. Da schiebt sich eine leere Plakatwand (dargestellt von einem nackerten Stück Leinwand) vor die Sonne. He, über so was Ähnliches hat die Bonnie Tyler doch auch gesungen: "Total Apocalypse Of The Heart." Tschuldigung: Total Eclipse.

Galerie Martin Janda
(Eschenbachgasse 11)
Maja Vukoje, bis 25. Februar
Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr




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Galerien, Kunst

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Dokument erstellt am 2012-01-24 16:05:07
Letzte Änderung am 2012-01-24 16:16:00


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