• vom 10.04.2012, 17:05 Uhr

Kultur

Update: 10.04.2012, 18:21 Uhr

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Lego mich doch am Allerwertesten!




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Mit Lego gesteinigt? "Electric Chair (Version Lost Angeles)" von Manfred Erjautz.

Mit Lego gesteinigt? "Electric Chair (Version Lost Angeles)" von Manfred Erjautz. Mit Lego gesteinigt? "Electric Chair (Version Lost Angeles)" von Manfred Erjautz.

(cai) Der Goethe macht es sogar in aller Öffentlichkeit. Am Opernring. Ist ja nix dabei. Dass man diese Sache gern heimlich am Klo erledigt, bedeutet doch nicht zwangsläufig, dass man sich dafür schämen müsste. Im Kino macht es sowieso jeder ungeniert, aber in der U-Bahn zahlt es sich halt erst aus, wenn man mindestens zwei Stationen fährt. Ähm, das Lesen? (Weil der Goethe aus Bronze wird ja wohl nicht nasenbohren. - Und im finstern Kino liest man eben ein beleuchtetes SMS.) Nein, natürlich das Sitzen! Dem widmet die Galerie Steinek gleich eine ganze Ausstellung: "Sesshaft."


Zur Feier des 30-jährigen Besitzens, Tschuldigung: Bestehens, hat man ein paar Hommagen ans Sitzfleisch zusammengetragen. Ans Beharrungsvermögen. Wirkt alles freilich ein bissl plump zusammengewürfelt. Okay, die Blondine von Peter Brauneis, die sich auf ihre fünf Buchstaben gesetzt hat (auf ihr Pferd) imponiert zumindest mit ihrer lebensgroßen Leibhaftigkeit. (Das ist keine Umschreibung für "Silikonbusen".) Gut, endlich einmal ein Reiterinnendenkmal! Neben die "Pig Pieces" vom Matthias Herrmann (Fotos von brachialkomischen Doktorspielen) hätte man aber ein Speibsackerl hinhängen sollen. Denn was der da auf diesen Sitzpölstern rauslässt, ist nicht sein innerer Schweinehund. (Pfui!)


© Yantra - Fotolia © Yantra - Fotolia

Na ja, das absolute Glanzstück der Schau ist eh auch schockierend. Elektroschockierend. Ein ambivalentes Ding zwischen Spieltrieb und Thanatos. Manfred Erjautz hat nämlich einen elektrischen Stuhl gebastelt. Aus Lego.Wird hier der gute Geschmack mit Lego gesteinigt? Nein. Das ist dunkelschwarzer Humor mit bunten Steinen. Und die Einkaufswagerln, die Clemens Wolf zu Designerrollstühlen umgebaut hat, sind durchaus serientauglich. Die Zielgruppe: Lahme Konsum-Enten vielleicht?

Galerie Steinek
(Eschenbachgasse 4)
"Sesshaft", bis 13. April
Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr

Trockene Aquarelle machen durstig

(cai) Gabriele Chiari ist ziemlich gut, wenn es um diese klassischen Feuchtgebiete geht, die mit einem A anfangen. Die demonstrative Herstellung von Flecken macht ihr offensichtlich genauso viel Spaß wie der Waschmittelwerbung. Hm. Das Erzeugen von Schweißrändern? (Weil: A wie Achselhöhle.) Schwitzt sie so viel? Nein. Sie pritschelt gern. Weil das Aquarell beginnt schließlich auch mit einem A. Wenn eine Ausstellung so frivol "Wasser / Spiele" heißt, denkt man natürlich sofort an . . . barocke Springbrunnen.

Jedenfalls nicht an blasse Wasserfarbenbilder und an ertränkte, Tschuldigung: stark verdünnte, Tusche. Die Künstlerin ist sogar so stur, sie weigert sich beharrlich, eine hübsche Landschaft zu malen. Oder wenigstens eine kleine Naturstudie. Oder könnte das Grüne da ein Algenidyll sein beziehungsweise Schimmelfleckenromantik? (Ich glaub nicht.) Die gebürtige Halleinerin und Wahlpariserin lebt ihre abstraktesten feuchten Fantasien aus. Macht sinnliche Lackerln. Gibt sich dem flüssigen Aggregatzustand hin. Ja, das macht ein Bettnässer auch. Doch Chiari bewässert das Papier mit höchster Präzision. Eine Wasserbändigerin, die den widerspenstigen Zufall erziehen will. Diese Blätter mit ihrer herben, "trockenen" Anmut sind aber eigentlich was für Fortgeschrittene. (Oder für Zen-Buddhisten.) Die andern verwechseln die dezente Raffinesse womöglich mit Langeweile. Obwohl: Dauernd zwingen einen die suggestiven Flecken, Brüste und Schenkel zu sehen. Tja, der Rorschachtest-Effekt. (Bei so viel Wasser krieg ich jetzt Durst.)

Galerie Frey
(Gluckgasse 3)
"Wasser / Spiele", bis 30. April
Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr




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Galerien, Kunst

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-04-10 17:11:04
Letzte Änderung am 2012-04-10 18:21:33


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