• vom 05.12.2018, 17:55 Uhr

Chronik

Update: 05.12.2018, 19:18 Uhr

Zwangsversteigerungen

Weniger Zinsen, weniger Zwangsversteigerungen




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Von Petra Tempfer

  • Im Vergleich zu 2009 kommen heute nur etwa halb so viele Immobilien unter den Hammer.

Gab es vor fast zehn Jahren 3611 anberaumte Zwangsversteigerungstermine, so waren es im Vorjahr nur 1716. - © Karl Thomas/allOver/picturedesk.com

Gab es vor fast zehn Jahren 3611 anberaumte Zwangsversteigerungstermine, so waren es im Vorjahr nur 1716. © Karl Thomas/allOver/picturedesk.com

Zwangsversteigerungen in Österreich

Zwangsversteigerungen in Österreich© WZ-Grafik, Moritz Ziegler, Smart Facts 2018 Zwangsversteigerungen in Österreich© WZ-Grafik, Moritz Ziegler, Smart Facts 2018

Wien. Eines gleich vorweg: Für Schnäppchenjäger fallen zwangsversteigerte Wohnungen in Ballungszentren nicht mehr ins klassische Beuteschema. Einerseits steigen am Immobilienmarkt Angebot und Nachfrage und damit auch die Ausrufungspreise von Zwangsversteigerungen, andererseits sinkt deren Anzahl: Wegen des niedrigen Zinsniveaus werden mehr Liegenschaften im Vorfeld frei verkauft.

Konkret kommen heute im Vergleich zu 2009 nur noch etwa halb so viele Immobilien unter den Hammer. Gab es vor fast zehn Jahren 3611 anberaumte Zwangsversteigerungstermine, so waren es im Vorjahr nur 1716, so die Zahlen der "SmartFacts Data Services GmbH", die seit mehr als einem Jahrzehnt Daten zum österreichischen Immobilienmarkt erhebt und analysiert. Die Gesamtsumme der Schätzwerte - im Vorjahr 346 Millionen Euro - ist ebenfalls gesunken, allerdings nicht im gleichen Ausmaß, sondern lediglich um ein Drittel. "Denn die Erlöse, die bei den einzelnen Versteigerungen erzielt werden konnten, sind gestiegen", sagt Monika Konvicka, Geschäftsführerin der "SmartFacts Data Services GmbH".


Darin spiegelt sich eine Entwicklung wider, die mit der ersten, zaghaften Erholung nach der Lehman-Pleite 2008 und der damit einhergehenden Finanzkrise begann und seitdem voranschreitet: Die Wirtschaft floriert, am Immobilienmarkt steigt der Preis, und bei drei von vier Zwangsversteigerungen in Ballungszentren liegt der Ausrufungspreis schon mitunter weit über dem geringsten möglichen Gebot von 50 Prozent des Schätzwertes. Die Immobilien - vor allem in Ballungszentren - finden dennoch reißenden Absatz, denn: Das Zinsniveau ist seit Jahren auf einem Tiefstand, was den Trend, Geld in Immobilien statt bei der Bank zu parken, vorantreibt - und gleichzeitig Kredite attraktiviert. Der Großteil der Bieter bei einer Zwangsversteigerung von Wohnimmobilien seien Privatpersonen, so Konvicka zur "Wiener Zeitung".

Existenzverlust als Hauptgrund
Der Kreditschutzverband von 1870 gießt diese Entwicklung in Zahlen: "Bei den Hypothekenfinanzierungen der Bankenliste sehen wir den Trend, dass es seit 2013 jedes Jahr bis zu 12.000 mehr gibt", sagt Geschäftsführer Gerhard Wagner. Im Vorjahr seien es insgesamt 100.000 an der Zahl gewesen, bei denen es vor allem um Eigenheimfinanzierungen um meist 100.000 Euro ging. Der klassische Schuldner einer Hypothekenfinanzierung sei zwischen 30 und 40 Jahre alt.

Kann er diese nicht mehr zurückzahlen, kann er zum Schuldner einer Zwangsversteigerung werden. Der häufigste Grund dafür sei der Verlust des Arbeitsplatzes oder - bei Selbständigen - der Existenz, sagt Konvicka. Die Scheidung vom oder der Tod des Partners seien die zweithäufigsten Ursachen für die Zahlungsunfähigkeit, "weil die Last der Rückzahlungen auf eine Person allein übergeht". An dritter Stelle stehe übermäßiger Konsum.

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Dokument erstellt am 2018-12-05 18:07:41
Letzte Änderung am 2018-12-05 19:18:49


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