• vom 06.12.2018, 20:32 Uhr

Chronik

Update: 06.12.2018, 21:56 Uhr

Synode

Ehe für alle - auch in der Kirche?




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Von Martina Madner

  • Die evangelisch-lutherische Kirche berät über die Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren.

Heirat

© Adobe stock/zwieback2003 Heirat© Adobe stock/zwieback2003

Wien. Vor fast genau einem Jahr, am 5. Dezember 2017, hat der Verfassungsgerichtshof in einer historischen Entscheidung sowohl die Ehe als auch die Eingetragene Partnerschaft für alle Menschen in Österreich geöffnet. Damit können sich schwule oder lesbische Paare ab 2019 auch dafür entscheiden, eine Ehe am Standesamt zu schließen, und heterosexuelle Paare, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen.

Während die römisch-katholische Kirche und deren oberste Würdenträger dies heftig kritisierten, begrüßte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker unmittelbar danach, dass "der rechtliche Raum nun vollständig geöffnet wird, in dem Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung durch gesetzliche Regelungen geschützt und unterstützt werden". Die Ehe sei dafür die beste Voraussetzung, "ein Zukunftsmodell" - "auch für gleichgeschlechtlich liebende Menschen, die den Wunsch nach einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft haben".


Demokratische Entscheidungen im Kirchenparlament
Ein Jahr später habe sich seine persönliche Meinung auch nicht geändert, sagt Bischof Michael Bünker im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Darüber, ob eine kirchliche Trauung für alle stattfinden kann, entscheidet aber nicht der Bischof, sondern die Synode als demokratisches Gremium." Die Synode umfasst 70 Delegierte: geistliche Vertreter wie Superintendenten, Oberkirchenräte und Bischof sowie deren weltliche Pendants, die sogenannten Superintendentialkuratoren, und weitere gewählte Gemeindemitglieder.

Dieses Kirchenparlament ist das höchste gesetzgebende Gremium der 283.000 evangelisch-lutherischen Christen, der größten Gruppe von insgesamt derzeit knapp 300.000 Evangelischen in Österreich. Es trifft sich zweimal jährlich für zwei bis drei Tage und befindet heute, Freitag, sowohl über die Trauung von gleichgeschlechtlichen Eheleuten in der Kirche als jene von Menschen, die eine Eingetragene Partnerschaft eingehen. "Da die öffentliche Trauung für alle in die gottesdienstliche Ordnung eingreift, sind hierfür zwei Drittel-Mehrheiten notwendig", erläutert Pfarrer Thomas Dasek, der evangelisch-lutherische Pressesprecher.

Trauung von Eheleuten, nicht aber Verpartnerten möglich
"Die Ehe ist ein weltlich Ding", wird Martin Luther zitiert, es gibt demnach kein eigenes evangelisches Eherecht. In der Kirche wird also die bereits auf dem Standesamt geschlossene Ehe gesegnet. Zu den beiden aktuellen Fragen fand am 24. November ein Studientag statt. "Es ist kein Geheimnis, dass es sich hierbei wie in allen Kirchen um eine umstrittene Frage handelt", sagt Bünker. Die Sichtweise, dass gelebte Homosexualität laut Bibel verboten ist, stünde jener gegenüber, dass Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare eine Gewissenentscheidung jedes Seelsorgers sei, gegenüber.

Die für die Synode nicht bindenden Empfehlungen des Studientags lauteten jedenfalls: Zustimmung zur Ehe für alle, aber keine kirchliche Trauung für Verpartnerte. Die Entscheidung muss in beiden Fragen aber auch nicht Ja oder Nein lauten: Es könnte auch die grundsätzliche Möglichkeit eröffnet werden und jede Pfarrgemeinde ähnlich wie in Deutschland selbst entscheiden, ob sie das will. "In dieser Frage werden wir sicher niemanden zu etwas zwingen", sagt Bünker.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-06 17:46:42
Letzte Änderung am 2018-12-06 21:56:50


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