• vom 07.12.2018, 16:38 Uhr

Chronik

Update: 07.12.2018, 16:57 Uhr

Homoehe

Evangelische Kirche auf dem Weg in Richtung Trauung für alle




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  • Über kirchliche Trauungen für homosexuelle Paare in Österreich sollen nun die Pfarrgemeinden beraten.

Das Thema Ehe für alle sorgte für intensive Diskussionen. Manchen geht es nicht schnell genug, andere bremsen. - © epd/Uschmann

Das Thema Ehe für alle sorgte für intensive Diskussionen. Manchen geht es nicht schnell genug, andere bremsen. © epd/Uschmann

Die Synode hat abgestimmt, jetzt sind die Pfarrgemeinden am Zug.

Die Synode hat abgestimmt, jetzt sind die Pfarrgemeinden am Zug.© epd/Uschmann Die Synode hat abgestimmt, jetzt sind die Pfarrgemeinden am Zug.© epd/Uschmann

Wien. (epdÖ) Die evangelisch-lutherische Kirche in Österreich ist einen Schritt weiter in Richtung Homoehe. Die derzeit in Wien laufende Synode (eine Art Kirchenparlament) hat am Freitag beschlossen, dass nun die Pfarrgemeinden darüber beraten sollen, ob es künftig evangelische Trauungen für homosexuelle Paare geben soll. "Wir machen uns auf den Weg, die kirchliche Trauung für homosexuelle Paare einzuführen", sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker in einer ersten Reaktion auf den Beschluss. Die einzelnen Gemeinden sollen nun die Möglichkeit haben, dazu Stellung zu nehmen, "das entspricht einem typisch evangelischen Weg", so Bünker.

Konkret geht es in der Befragung der Pfarrgemeinden etwa darum, ob und in welcher Form einzelne Gemeindevertretungen eine mögliche Ehe für alle in ihrer Gemeinde ablehnen können. Eine Frage lautet, ob es ein "Opt-in" geben soll (Voraussetzung für eine Trauung homosexueller Paare wäre in diesem Fall ein vorausgegangener positiver Beschluss der Pfarrgemeinde) oder ein "Opt-out" (Gemeinden könnten sich gegen die Möglichkeit der Trauung Homosexueller aussprechen). Und ob die gewählte Variante für gemeindeeigene Kirchengebäude oder für das gesamte Pfarrgemeindegebiet gilt. Auch soll geklärt werden, ob es kirchliche Segnungen künftig auch für Eingetragene Partnerschaften von Homo- und Heterosexuellen geben soll. Die endgültige Entscheidung soll dann auf der Synode am 9. März 2019 fallen.

Empfehlung an die 194 Gemeinden

Nach fast vierstündiger intensiver Debatte stimmten 54 von 63 Mitgliedern der Synode für diesen Antrag. Die Synode gibt damit eine Empfehlung ihres theologischen Ausschusses an die 194 lutherischen Gemeinden mit rund 285.000 Mitgliedern weiter. In dem Schreiben heißt es: "Die Bedingungen, unter denen Menschen heute ihre Beziehungen in verlässlicher und verbindlicher Form leben, haben sich gegenüber den Entstehungszeiten von Bibel und Bekenntnisschriften geändert." Die Kirche solle auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften würdigen, "sofern sie auf lebenslange Treue, gegenseitige Fürsorge und Beistand ausgerichtet sind". Um unterschiedlichen Auffassungen zu homosexuellen Partnerschaften innerhalb der Kirche Rechnung zu tragen, sollen kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare nur in solchen Pfarrgemeinden durchgeführt werden, in denen Gemeindevertretung und Pfarrerin beziehungsweise Pfarrer sich dafür aussprechen. Die Gemeinschaft der Kirche, heißt es in dem Papier, werde durch diese unterschiedlichen Auffassungen und die Entscheidungsautonomie der Pfarrgemeinden "nicht in Frage gestellt".

Dass es für Eingetragene Partnerschaften sowohl hetero- als auch homosexueller Paare keine kirchliche Trauung oder Segnung in einem öffentlichen Gottesdienst geben soll, wird in der Empfehlung des Theologischen Ausschusses mit ihrer geringeren Verbindlichkeit begründet, daher seien diese Partnerschaften "nicht auf der gleichen Ebene wie die Ehe" zu sehen.

Bereits im Eröffnungsgottesdienst zur Synode hatte Bischof Bünker "Gegensätze als Geburtsmerkmal der Kirche" bezeichnet und damit auf das Konfliktthema angespielt. Vorangegangen war der innerkirchlichen Diskussion um die Ehe für alle ein Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs vom Dezember 2017, der die Beschränkung der zivilrechtlichen Ehe auf heterosexuelle Paare für verfassungswidrig erklärt hatte. Ab Jänner 2019 können somit auch homosexuelle Paare standesamtlich heiraten.

Da für eine evangelische Trauung die standesamtliche Heirat Voraussetzung ist, musste sich die Synode mit der Thematik befassen. Anders als in der römisch-katholischen Kirche ist die Ehe in den evangelischen Kirchen kein Sakrament, sondern, wie es der Reformator Martin Luther formuliert hatte, ein "weltlich Ding". In der Evangelischen Kirche H.B., der evangelisch-reformierten Kirche, sind öffentliche Segnungen von homosexuellen Paaren übrigens seit 1999 möglich.





Schlagwörter

Homoehe, Religion, Kirche

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-07 16:50:48
Letzte Änderung am 2018-12-07 16:57:41


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