• vom 20.07.2006, 00:00 Uhr

Chronik


Der Wiener Oberst, der Hitler totsagte




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Von Bernhard Stillfried

  • Vor 62 Jahren misslang das Attentat auf Hitler.
  • Oberst Marogna-Redwitz im Porträt.
  • Wien. Am 20. Juli 1944 kam zu Mittag die Meldung mit dem Codenamen "Walküre" aus Berlin ans Generalkommando XVII in Wien. Oberst Rudolf Graf Marogna-Redwitz aus dem Kreis der Verschwörer um Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg, dem Planer des Attentats gegen Hitler, handelte sofort.

Er berief eine dringende Lagebesprechung ein, wozu die verantwortlichen Kommandanten von SS, Gestapo und Polizei ins Gebäude des Wehrkreiskommandos XVII am Wiener Stubenring geladen wurden. In dieser Sitzung gab er Hitlers Tod bekannt, die Wehrmacht habe die Regierung übernommen. Die Anwesenden mussten ihre Waffen abgeben und wurden verhaftet. Als sich gegen Abend die Nachricht verdichtete, dass Hitler lebte und der Attentatsversuch gescheitert war, brach der Aufstand, der nur in Wien und in Paris mit der anfänglichen Übernahme der Verwaltung durch die Wehrmacht erfolgreich war, in sich zusammen.


Wer war Oberst Marogna-Redwitz? 1939 vom Leiter der Abwehr der Wehrmacht, Admiral Wilhelm Canaris, an die militärische Abwehrstelle Süd-Ost nach Wien versetzt, konnte er in dieser Funktion bis 1944 mit Hilfe österreichischer Vertrauter viele Menschen vor dem Naziregime beschützen. Als gläubiger Katholik war er in einer bairisch-österreichischen Familie aufgewachsen und unterhielt durch seine Mutter auch enge Beziehungen zu Verwandten und Freunden in Österreich und der Tschechoslowakei. Seinen Cousin Alfons Stillfried rettete er vor der Gestapo, indem er ihn als ehemaligen k.u.k. Offizier in die Abwehr der Wehrmacht einberufen ließ und dort zum Abteilungsleiter der in der Brief-Zensurstelle Taborstraße machte. Über diese Schiene liefen, unter größter Geheimhaltung, mehrere antinazistische Aktionen.

Der 20. Juli 1944 wurde zum Schicksalstag für Marogna-Redwitz. Er kam noch am selben Abend in Haft und wurde nach Berlin gebracht. Trotz wochenlangen Verhören und Folterungen gab er keine Informationen über Gleichgesinnte preis (ihm verdankte auch Hauptmann Carl Szokoll, der ebenfalls in die Ereignisse des 20. Juli in Wien eingebunden war, sein Leben). Vom berüchtigten Vorsitzenden des Volksgerichtshofs, Roland Freissler, zum Tode verurteilt, starb er im Oktober 1944 am Galgen.



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Dokument erstellt am 2006-07-20 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-07-19 17:47:00


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