• vom 05.05.2003, 00:00 Uhr

Chronik

Update: 15.01.2015, 13:07 Uhr

Wiener Museumsstücke

Die Sammlung Horky




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Von Johann Werfring


    Das Nachtkaffeehaus von Hubert Horky in der Radetzkystraße in Wien-Landstraße. - © Foto: Johann Werfring

    Das Nachtkaffeehaus von Hubert Horky in der Radetzkystraße in Wien-Landstraße. © Foto: Johann Werfring

    "Ich hab' die Liebe geseh'n, beim ersten Blick in deine Augen...". Wer das "Kaffee Urania" in der Wiener Radetzkystraße betritt, kann förmlich den Hauch der Welt von Gestern im Nacken spüren. Die Zeit scheint hier stille zu stehn – und zwar ganz im positiven Sinne. Während Viki Leandros mit ihrem Lovesong fortfährt, lassen wir den Blick im Lokal umherschweifen: Kaffeehausnischen mit roten Lederüberzügen, die ein wenig an das Interieur im Café Museum am Wiener Karlsplatz erinnern, Kristall-Luster, Fußbodenkacheln in verschiedenen Farben, ganz im Stil der 1950er Jahre, eine Wirtshausbudel mit Mannerschnitten und anderen Süßigkeiten hinter der Verglasung, ein Wurlitzer. Am augenscheinlichsten aber sind die vielen Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden – fast lauter Motive vom alten Prater. Hier scheint ein Wirt sein eigenes Museum eingerichtet zu haben.

    Information

    Sammlung Horky im Kaffee Urania
    Kaffee Urania
    1030 Wien, Radetzkystraße 24
    Mo bis Sa 20.15–2 Uhr
    Tel. 01/713 33 71


    Mehrfaches "Grüß Gott!" Im Kaffee Urania wird man nicht nur vom Chef, sondern – selbst unbekannterweise – auch von den anderen Gästen willkommen geheißen. Es verkehrt hier ein höchst gemischtes Publikum. Studenten, Handwerker, Pensionisten, Künstler und Bürgerliche geben sich im "Urania" ein Stelldichein. Auch Eigenbrötler werden geduldet, wenngleich der Hausherr ab und zu dem einen oder anderen die Benimmregeln erklären muss.

    Wer sich für die alten Fotos interessiert, bekommt von Hubert Horky, dem Kaffeehausbesitzer, höchstpersönlich Auskünfte. Schon in seiner Kindheit ist er ständig im Wiener Wurstelprater gewesen und auch als Erwachsener sei er nicht losgekommen von diesem urwienerischen Panoptikum. Immer wieder habe es ihn dort hingezogen, auch heute noch, und jeden einzelnen Standlbesitzer kenne er persönlich.

    Kaffee-Urania-Wirt und Sammlungsinhaber Hubert Horky.

    Kaffee-Urania-Wirt und Sammlungsinhaber Hubert Horky.© J.W. Kaffee-Urania-Wirt und Sammlungsinhaber Hubert Horky.© J.W.

    Anfang der 1990er-Jahre habe ihn die Sammelleidenschaft gepackt. Seither ist er wie wild hinter allen noch erhaltenen Fotos vom alten Wurstelprater her.

    Sämtliche Bildarchive und Museen, die in Frage kommen, hat Horky in Wien schon abgeklappert und durchstöbert. Von jedem Praterfoto das er gefunden hat, ließ er sich eine Kopie anfertigen. In den Archiven, so Horky, müsse man für jedes einzelne Bild ein beträchtliches Sümmchen hinblättern. Aber auch bei Privatsammlern sind die alten Aufnahmen sündhaft teuer. Jeder einzelne Flohmarkt wird immer wieder frequentiert und viele der Händler kennen ihn schon seit langem. Wird Hubert Horky fündig, so muss er im Schnitt elf Euro pro Postkarte hinblättern. Die geschmalzenen Preise begründen die Flohmarktstandler damit, dass es angeblich so viele Praterbildsammler gibt. Freilich durchschaut Horky den Verkaufsschmäh, denn er weiß genau, dass es gerade eine Handvoll echte Sammler in diesem Bereich gibt. Aber Schmäh hin oder her: Wenn er das betreffende Bild haben will, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als die überhöhten Preise zu akzeptieren. Selten, aber doch, führen auch Aushänge in diversen Trafiken und Geschäften zum Erfolg.

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    Dokument erstellt am 2003-05-05 00:00:00
    Letzte Änderung am 2015-01-15 13:07:26

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